Auto-Gipfel Friaul: Pfeil statt Bogen im Lexus RC F

19. Juni 2015, 15:26
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Ein Sportwagen wie ein Sportwagen - ohne elektronische Verzärtelung und mit dem puren Gefühl von Kraft und Ausdauer.

Es geht hier schlicht und einfach um die Dimension des Supersportwagens, um die gegenwärtige Einordnung des freudvoll Machbaren. Kein Turbolader, kein Downsizing. V8-Motor, fünf Liter Hubraum, 530 Nm Drehmoment, 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h - wenn man nur wollte. Dies gilt es wohl zu betonen, wenn der Name Lexus fällt, eigentlich eher Synonym für dicke, starke Benzinsparwunder dank Hybridantrieb.

Hier kein Hybrid, hier Sauger pur, dreht hoch bis auf 8000 Touren, zeigt sich in keiner Weise bescheiden. Es handelt sich trotz ausgefeilter Technik um ein sehr puristisches Fahrvergnügen, genau so, wie es der ambitionierte Autofahrer gerne hat. Steife Karosserie, Schraubenfedern, Dämpfung, Stabilisatoren in klassischer Manier, und trotzdem gerade noch nicht bockhart beim Cruisen.

Achtgangautomatik

Die Fahrmodus-Wahl zwischen Eco-, Normal, Sport und Sport Plus betrifft die Antriebscharakteristik, bezieht sich also auf Gasannahme, Schaltpunkte. Auch das Fahrdynamik-Management namens VDIM, also die elektronische Stabilitätsregelung, lässt sich in Sportmodus versetzen, mit in den Driftbereich hinausgeschobenem Regelalgorithmus, oder ganz abschalten, wovon wir auf öffentlichen Straßen abraten. Die Achtgangautomatik ist so gegenwärtig, dass man kein erhöhtes Bedürfnis verspürt, über die Paddles am Lenkrad manuell zu schalten.

Das Interieur bietet wenig Überraschungen, wie das ganze Auto eher als Vollstrecker des gehobenen Standes der Dinge im Sportwagenbau zu sehen ist. Es will offensichtlich nur eines: dem Fahrer erquickliches Vorwärtskommen bereiten. Gute Sitzposition! Atmosphärisch sitzt man einfach in einem Japaner, wenn du aussteigst, hast du das Gefühl, nun eben aus einem supertollen Auto auszusteigen, fühlst dich aber noch immer etwas unsicher, ob das jetzt Nissans Infinity oder Hondas Acura oder eben Toyotas Lexus war.

Erfüllt keine Klischees

Aber nein, zur Beruhigung: Das war klar ein Lexus, auch wenn er die landläufigen Klischees eines Lexus einfach nicht erfüllen will. So ist er etwa sehr spitz in seiner motorischen Artikulation. Dabei hilft ihm die Soundanlage, die den V8-Klang wunderbar herausarbeitet und fürs Fahrerohr verstärkt.

Die japanische Logik im Umgang mit elektronischen Features ist dabei für einen Europäer, noch dazu leicht fortgeschrittenen Alters, nicht immer zwingend nachvollziehbar. Ich habe einfach keine Tankuhr gefunden, vielleicht gibt es sie irgendwo, aber ich habe sie einfach nicht gefunden. Auch die Bedienung des Navigationssystems via Touch Pad bereitete einige Schwierigkeiten, logisch wie haptisch. Aber so ein Auto kauft man ja sowieso nicht, um sich dann von elektronischem Klimbim ablenken zu lassen. Das Zeug ist an Bord, gut zu wissen, man muss es ja nicht benützen, solange man nicht doch einmal muss.

Reichlich Hubraum

Ein Höhepunkt ist sicher der V8 mit reichlich Hubraum. Solche Motoren genießen nicht unbedingt den besten Ruf, was den Verbrauch angeht. Doch wir dürfen den Hut ziehen. 11,3 Liter auf 100 km, wenn man freudvoll schlampig das Gaspedal bedient, und sogar unter 10 l / 100 km auf der Langstrecke unter Wahrung und Achtung aller Vorschriften.

Das ist wirklich sehr gut, denn acht Zylinder machen eine Menge Reibung, da durften die Ingenieure ordentlich tüfteln, um so ein Ergebnis zu erzielen. Mit einem CO2-Wert von 251 g/km liegt man auch auf dem Papier im technologischen Spitzenfeld bei den großvolumigen Saugern. Bei Aston Martin, Ferrari und Maserati kann man nur träumen davon, aber das wäre dann doch eine ganz andere Geschichte. So hält man auch die ökologische Angriffsfläche klein. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 13.6.2015)

Zweite Meinung

Der Lexus RC F mit dem 477 PS starken V8 erinnert fast an jene Zeit, als Hubraum vor Wohnraum schick war. Diese Rechnung gilt noch, wenn der Motor beim Beschleunigen hart und metallisch seine Kraft entfaltet. Das Coupé, optisch mit Heckspoiler als Sportler deklariert und mit Armaturen im Playstation-Design, bietet in perfekten Sportsitzen wahlweise ruhige Fahrweise oder auf Kick rasanten Vortrieb. (urb)

Technik

Preis: 98.900 €, Antrieb: V8-Benzindirekteinspritzer, 4969 cm³, Leistung: 351 kW (477 PS), Beschleunigung: 4,5 sec 0-100 km/h, Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h, Verbrauch (gesamt): 10,8 l / 100 km

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Design ohne Rotz oder Tränen: Der Spitzensportler passt ins Lexus-Familiengefüge.
    foto: guido gluschitsch

    Design ohne Rotz oder Tränen: Der Spitzensportler passt ins Lexus-Familiengefüge.

  • Und man sieht ihm an, dass er kein Feigling ist.
    foto: guido gluschitsch

    Und man sieht ihm an, dass er kein Feigling ist.

  • 477 PS fahren hier selbstbewusst auf.
    foto: guido gluschitsch

    477 PS fahren hier selbstbewusst auf.

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