Auto-Gipfel Friaul: Kernkompetenzler BMW M235i

19. Juni 2015, 15:26
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Fantastische Cabrio-Fahrmaschine in einer preislich noch nicht restlos abgehobenen Liga. So lautet die Kurzbeschreibung für den offenen M235i. Die längere? Folgt sogleich ...

Rotzfrecher sonorer Sound, der sich beim Hochdrehen des Twinturbo-Reihensechsers bis in den Jubelmodus steigern lässt. Trotz suprigen Friaul-Gesamtaufgebots schielten die Jungs anerkennend zum kleinen 2er rüber. Gut vorstellbar, was Driftprofi Guido mit dem anstellte, hätte es uns den Supertest nicht gnadenlos verregnet.

Und für den Nachwuchskolumnisten Stephan-Alexander, er konnte vor unserer Ausfahrt einen Blick und ein Ohr auf diesen M235i werfen und eine Runde fahren, ist er, nämlich genau in dieser Konstellation, das momentane Traumcabrio - man sieht schon, BMW zielt sehr präzise auf eine junge, draufgängerische Generation. Woher die dann aber das Geld nehmen soll und nicht stehlen, 62.190 Euro ohne jedes Extra (der Testwagen kam auf schlanke 70.760 Euro), ist eine ganz andere Frage.

Grundehrlicher Charakter

Gut, im Fahrbetrieb ist der Wagen nicht ganz so ein Brett wie sein Coupé-Bruder, ist ja auch ein Cabrio. Als solches aber so verwindungssteif, dass, ließe man den Fahrer eines sagen wir: zehn, 15 Jahre alten Cabrios kurz aus seiner Zeitschleife heraus- und in den M235i hineinfallen, dass so einer sich nach einer Blindverkostung wohl die Augen reiben würde. Echt? Ein Cabrio? Schier unglaublich. Gut, das konnten andere aus unserer Friaul-Auswahl nicht minder gut, TT und Boxster, aber erwähnt sollte es schon sein.

Das 2er-Cabrio ist ein grundehrlicher Charakter, keine Spur von Prolo, keine Spur von Schnösel, die Balance ist gar nicht leicht zu finden. Und immer drängt es nach vorn, der Sonne entgegen. Bei den Fahrprogrammen kann man sich durchzappen von Eco Pro (wer wird denn ...) über Comfort bis Sport und Sport+, man kennt das ja von BMW. Und bei all der ganz ernsthaften Potenz, 326 PS stellt der fantastische Reihensechser bereit, die wilden Pferde sind sozusagen von jetzt auf jetzt mit dir per du; bei all dieser Potenz also, in zwei Testwochen oft genug abgefragt: Was ergibt sich für ein Verbrauch? Zehn Liter gradaus. Noch vor einer Dekade wäre das ein Wert um die 15, 20 Liter gewesen.

Klassisches Verdeck

Mit Windschott und Fenstern oben kann man auch ohne Nackensteife die Friaul-Anreise auf der Autobahn absolvieren. Mitunter heult der Fahrtwind, als litte er Todesqualen, nicht mitkommen zu dürfen in dies Land der Verheißung, aber wir sind ja nicht so.

Das Verdeck ist klassisch: Textil. Ideale Voraussetzung für verkrampfungsfreies Design (anders als beim 4er-Blechdach-Cabrio). Zudem dämpft es gut, ist absolut witterungsresistent und sorgt für den allereinzigsten Kritikpunkt, der dem Tester aufgefallen ist: Nach schräg hinten ist man bei geschlossenem Dach praktisch blind, sofern man keine Rückfahrkamera geordert hat.

Kein Damenboudoir

Um Details im Interieur haben wir uns nicht so sehr gekümmert, ein M235i ist schließlich kein Damenboudoir, schmerzlich vermisst haben wir nur das Head-up-Display, das sonst den Blick so wunderbar auf die Straße fokussiert. Und die Sitze? Keine auffälligen Schalen; sie tun nur, was sie sollen, nämlich perfekt sitzen.

Draußen aber, so blind sind wir denn doch nicht, fallen uns natürlich die blauen Bremssättel ins Auge. Porsche kann das hübsch in Gelb zum Beispiel, aber des BMWs Blau passte eh besser zur Adria, an die wir uns zum krönenden Abschluss noch begaben und wo das Wetter nicht gar so trist war, nach Triest.

Denn, ist das die Möglichkeit, Freund und Kollege Peter Urbanek hat diese jüngste Stadt der Republik Italien, uns erst nach dem Ersten Weltkrieg geklaut, noch nie gesehen. Er, der schon überall gewesen ist. Womit also runterfahren zur Triestiner Premiere? Mit dem eleganten, soignierten 6er-Gran-Coupé oder doch mit diesem wilden Hund, dem 2er-Cabrio? Dreimal dürfen Sie raten ... (Andreas Stockinger, Rondomobil, 20.6.2015)

Zweite Meinung

Das sportliche Aussehen definiert klar Kraft und Sportlichkeit auch in technischer Hinsicht. Die Eleganz, eine gewisse ausgleichende Verspieltheit im Design und die Fülle der Ausstattung bleiben da etwas auf der Strecke. Wem es vor allem um Kraft und Dynamik geht, für den ist dieser Verzicht keinProblem. Daher alles okay mit dem rasanten, hemdsärmeligen Kerl. (aka)

Technik

Preis: ab 62.190 € , Antrieb: Reihen-6-Zylinder-Twinpower-Turbo-Benziner, 2979 cm³, Leistung: 240 kW (326 PS), Beschleunigung: 5,0 sec 0-100 km/h, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Verbrauch (gesamt): 7,9 l / 100 km

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • M235i Cabrio: wunderbar ausbalancierter Hinterradler mit Reihensechser.
    foto: guido gluschitsch

    M235i Cabrio: wunderbar ausbalancierter Hinterradler mit Reihensechser.

  • Besser, wir erzählen ihm nix von seinen 2er-Gschwisterln "Tourer" mit Frontantrieb und Dreizylinder, sonst stirbt er glatt ab.
    foto: guido gluschitsch

    Besser, wir erzählen ihm nix von seinen 2er-Gschwisterln "Tourer" mit Frontantrieb und Dreizylinder, sonst stirbt er glatt ab.

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    foto: guido gluschitsch
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