Bene wechselt nach 225 Jahren den Eigentümer

8. Juni 2015, 14:49
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Erhard Grossnigg und Martin Bartenstein übernehmen die Traditionsfirma, ein Konkurs ist abgewendet

Wien/Waidhofen a.d. Ybbs - Nach 225 Jahren im (Mit)-Besitz der Familie Bene geht der gleichnamige Büromöbelhersteller an die Investoren Erhard Grossnigg und Martin Bartenstein. Bene wurde 1790 als Tischlerei gegründet. Ab den 1950er-Jahren spezialisierte sich die Firma auf Büromöbel. Noch heute sind der Hauptsitz und die Produktion in Waidhofen an der Ybbs (NÖ).

Zuletzt hielt die Bene-Privatstiftung der Familie Bene 42,5 Prozent der Anteile, der Rest befand sich im Streubesitz. Die Aktien der Familienstiftung wurden 2013 als Sanierungsbeitrag an die Banken verpfändet.

Harter Sparkurs und Personalabbau

Mit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ging es für Bene steil bergab. Das Unternehmen fuhr Verluste ein, baute Personal ab und setzte die Dividende aus. Um auftragsschwache Zeiten zu überbrücken und Geld zu sparen, führte Bene 2009 für ein Jahr ein Teilzeitmodell ein: Alle Beschäftigten im Inland wurden auf ein Modell umgestellt, bei dem sie nur 80 Prozent ihres Gehalts bekamen und die Arbeitszeit von 38,5 auf 30,8 Wochenstunden reduziert wurde.

Da sich die Ertragslage in den folgenden Jahren nicht verbesserte und die Firma Jahr für Jahr Verluste schrieb, zog der Aufsichtsrat 2012 die Bremse und tauschte den kompletten Vorstand aus. Bene holte den Sanierer Rudolf Payer als neuen Finanzchef. Der 55-Jährige war an der dramatischen Sanierung des Feuerfestprodukte-Herstellers RHI maßgeblich beteiligt.

Einbruch des Büromöbelmarktes

Payer und sein Vorstandskollege Michael Feldt schlossen unrentable Standorte, bauten den Vertrieb um und hunderte Mitarbeiter ab. Für die Schieflage des Unternehmens machte Payer vor allem das aggressive Wachstum sowie Vielfalt innerhalb der Produktgruppen verantwortlich. Von den Alt-Vorständen Frank Wiegmann und Wolfgang Neubert wurde wiederholt ein krisenbedingter Einbruch des Büromöbelmarktes als Ursache der Verluste genannt.

Erst im April 2015 gab Bene erneut bekannt, 127 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet zu haben sowie international 29 Arbeitsplätze zu streichen. Nach dem Abbau wird Bene 850 Personen beschäftigen, rund 600 davon in Österreich. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im Jahr 2006 beschäftigte Bene weltweit noch rund 1.200 Mitarbeiter, davon 900 in Österreich.

Verluste 2014/15

Das zuletzt veröffentlichte Geschäftsjahr 2014/15 schloss Bene erneut mit einem Verlust ab, wenngleich sich dieser reduzierte. Der Nettoverlust halbierte sich von 28,6 auf 13,4 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) war zwar mit 9,5 Mio. Euro weiter negativ, im Geschäftsjahr 2013/14 betrug der Verlust noch 24,2 Mio. Euro. Das EBITDA machte 1,9 Mio. Euro aus, nach -12,5 Mio. Euro davor. Der Konzernumsatz verringerte sich von 163,1 auf 158,9 Mio. Euro. Die Eigenkapital-Situation verschlechterte sich weiter: Per Ende April 2015 meldete Bene ein negatives Eigenkapital von 41 Mio. Euro.

Kapitalerhöhung beschlossen

Die am Montag abgehaltene HV der Bene AG stimmte allen Tagesordnungspunkten mit großer Stimmenmehrheit zu. Beschlossen sei unter anderem die Kapitalherabsetzung des Grundkapitals auf rund 1,9 Mio., Euro worden, im Zuge derer jeweils 25 bestehende Aktien zu zwei Aktien zusammengelegt würden, wie es in einer Aussendung hieß. Zugleich sei eine Kapitalerhöhung um 18,0 Mio. unter Ausschluss der Bezugsrechte der Aktionäre fixiert worden. Die neuen Aktien werden von der BGO Beteiligungsverwaltungs GmbH gezeichnet, die nach Zustimmung der Bundeswettbewerbsbehörde und Eintragung des Kapitalschnittes in das Firmenbuch über 90 Prozent der Anteile der Bene AG halten werde, hieß es weiter. Ab diesem Zeitpunkt werde das Grundkapital der Bene AG 19,9 Mio. Euro betragen. Widersprüche von Kleinaktionären seien erwartungsgemäß zu Protokoll genommen worden.

Der Rücktritt aller derzeitigen Mitglieder des Aufsichtsrats habe zudem Neuwahlen in den Aufsichtsrat notwendig gemacht: Neu gewählt wurden demnach Martin Bartenstein, Peter Funder, Alexander Isola sowie Michael Schur. (APA/red, 8.6.2015)

  • Nach 225 Jahren in Familienbesitz übernehmen Fremde das Ruder bei Bene übernehmen.
    foto: apa/roland schlager

    Nach 225 Jahren in Familienbesitz übernehmen Fremde das Ruder bei Bene übernehmen.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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