Berlusconi verkauft AC Milan

8. Juni 2015, 05:30
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Der Ex-Regierungschef übergibt sein Aktienpaket an einen thailändischen Immo-Unternehmer. Erlös: rund eine halbe Milliarde Euro.

Silvio Berlusconi, ehemaliger Regierungschef, hat am Wochenende den Verkauf von 48 Prozent Anteilen seines Traditionsfußballvereins AC Milan bekanntgegeben. Käufer ist der thailändische Immobilienhändler und Fußballfan Mr. Taechaubol Lee. Angeblich soll Lee innerhalb eines Jahres seine Beteiligung auf 100 Prozent aufstocken. Der Preis von knapp einer halben Mrd. Euro für die Minderheitsbeteiligung wird von Analysten als hoch eingeschätzt. Der Umsatz von AC Milan macht 220 Mill. Euro, und die Schulden standen zu Jahresende 2014 bei rund 250 Millionen Euro.

Der indonesische Medienmogul und Fußballfan Erick Thohir hat vor zwei Jahren knapp 300 Mill. Euro für die Mehrheitsbeteiligung beim Milan-Rivalen, den Fußballclub Inter, bezahlt. Sowohl AC Milan als auch Inter rangieren heuer in der italienischen Fußball Nationalliga nur auf Rang 10 bzw. 8 und sind von den Europa-Pokalspielen ausgeschlossen.

Börsenpläne

Vorgesehen ist, dass AC Milan demnächst an der Börse von Hongkong oder Singapur notieren wird. Dreißig Jahre lang hat Berlusconi den Fußballclub kontrolliert. Die mehrmaligen Europaschafts-und Nationalliga-Siege von AC Milan (1989,90,94 und 2003, 2007) waren zweifellos einer der Gründe für die Popularität und den politischen Erfolg des inzwischen 78-jährigen Unternehmers. Nicht nur seine politische Karriere, auch sein wirtschaftliches Imperium drohen zusammenzubrechen.

"Alte Dame" mit guter Bilanz

Zwar hat der Nationalliga-Erste, der Turiner Verein Juventus FC am Wochenende gegen Barcelona eine Niederlage 1 zu 3 verkraften müssen. Doch die "alte Dame", wie der Traditionsclub genannt wird, hat eine der besten Bilanzen im Fußball-Umfeld präsentiert. Mit einem für heuer auf 300 Mill. Euro geschätzten Umsatz, mit einem neuen Stadion und weiteren Investitionen von 185 Mill. Euro ist es Juve gelungen, bis zu 100 Millionen Euro aus dem Merchandising Geschäft zu kassieren. Der von der Turiner Fiat-Unternehmerfamilie mehrheitlich kontrollierte Fußballverein ist auch an der Mailänder Börse notiert und rangiert mit einer Kapitalisierung von 302 Millionen Euro weit über den Börsenwerten der römischen Rivalen Roma und Lazio. Der zweite Rang bei den Europa-Champions hat Juve rund 100 Millionen Euro eingebracht.

Wirtschaftsfaktor Fußball

Die Bedeutung des italienischen Fußballs für Italiens Wirtschaft ist offensichtlich: Bank Austria Mutter Unicredit sponsort seit fünf Jahren den UEFA Champions League Pokal mit einer Investitionsrendite von 225 Prozent.

Unicredit Chef Federico Ghizzoni hat in Berlin wissen lassen, das Sponsoring weitere drei Jahre fortzusetzen und auf andere Europa-Fußball-Pokalspiele auszuweiten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 8.6.2015)

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