Barças beziehungsintensive Dominanz des Post-Xavismus schlägt Juves Ökonomie der Vertikalität

Infografik7. Juni 2015, 17:02
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Die Analyse des Champions-League-Finales zeigt die komplementären taktischen Systeme auf einen Blick.

Auf Seiten des FC Barcelona ein beziehungsintensives Muster der Dominanz, bei Juventus die Ökonomie der Vertikalität. Der Unterschied in Sachen Spielgestaltung manifestiert sich auch im Zeitdiagramm, das ein fast durchgängiges Übergewicht der Katalanen bis zur 60. Minute aufweist, während die Norditaliener lediglich im letzten Drittel eine Phase der relativen spielerischen Dominanz entwickeln konnten.

Das für die Barça-Schule so typische Spiel der nachhaltigen Ballzirkulation hat im Verlauf dieser Saison eine bemerkenswerte strukturelle Transformation erfahren, die man als Post-Xavismus bezeichnen könnte. Der Rückzug des zentralen Mittelfeldakteurs Xavi Hernández ermöglichte die fortgeschrittene Emanzipation der beiden Außenverteidiger Dani Alves und Jordi Alba als überragende Impulsgeber für das Offensivspiel. Auf ihrer Initiative fußen gleich mehrere spielprägende Dreiecke, die sich schließlich in der magischen Phalanx Messi-Neymar-Suárez verdichten.

Die Zahl der Pässe im Zeitverlauf (pro fünf Minuten).

Juves Antwort auf die rasante Rotationen entwickelte erst im Lauf der zweiten Hälfte jene Dringlichkeit, mit der die Italiener zuvor spielerisch ähnlich dominante Gegner aus dem Bewerb geworfen hatten. Einer spielentscheidenden Vertikalität fehlte allerdings über weite Strecken die Präzision vor allem aus dem Zentrum, wo die Impulse von Andrea Pirlo am konsequenten Pressing der Katalanen abprallten.

Sowohl die sonst so unüberwindliche Defensive, der Giorgio Chiellini merklich abging, als auch die nadelstichartige Wucht des Turiner Konterspiels kamen in diesem durchaus umkämpften Finale den einen oder anderen entscheidenden Schritt zu spät. (Helmut Neundlinger, 7.6.2015)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Harald Katzmair, Helmut Neundlinger, Ruth Pfosser, Andrea Werdenigg, Agnes Chorherr.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Umsetzung für derStandard.at: Markus Hametner

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