Die Fußballkönige bleiben hungrig

7. Juni 2015, 16:48
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Der FC Barcelona gewann mit einer unsterblichen Generation die Champions League. Trainer Luis Enrique ließ seine Zukunft offen

Berlin - Man musste im Sinne der Spannung ja froh sein, dass der FC Barcelona sich mit der Entscheidung Zeit gelassen hat. Die neuen Champions von Europa haben am Samstagabend in Berlin in einer zeitweise grandiosen Art ihren fünften Titel im größten Klubbewerb der Welt erobert – gleich viele wie Bayern München und Liverpool. Juventus war als großer Außenseiter bei der 1:3 (0:1)-Niederlage nur über eine kurze Phase nach dem vom Himmel gefallenen Ausgleich durch Alvaro Morata ein ebenbürtiger Gegner. Die Turiner haben damit sechs von acht europäischen Endspielen verloren und müssen seit 1996 auf einen Titel warten.

Mit dem zweiten Triple seit 2009, 2011 verpasste man ein weiteres erst in der Verlängerung des spanischen Pokalfinales, machte sich eine Barcelona-Generation unsterblich, die schon zuvor Lobeshymnen Anlass gab. Während zwar Xavi (35) nach seinem 151. Champions League-Einsatz und vierten Titel nach Katar zieht, hat insbesondere das Monstertrio "NSM" Neymar (23), Luis Suarez (28) und Lionel Messi (fast 28) wohl kaum seinen letzten Titel errungen. "Die Spieler haben gezeigt, dass sie immer noch hungrig sind, sagte Trainer Luis Enrique (45) nach der Galavorstellung in Berlin.

Das eröffnende Tor im Finale erzielte zwar mit Ivan Rakitic (27) keiner der üblichen Verdächtigen, der "Dreizack" aber stach Juventus schlussendlich doch aus. Messi zeigte im Finale eine große Leistung als assistierender Einfädler, war in der Vorbereitung des ersten und zweiten Treffers maßgeblich eingebunden und entzückte das Olympiastadion mit gelegentlichen Antritten. Suarez machte Juventus mit der neuerlichen Führung den Garaus. Neymar glänzte mit je einem aberkannten und gültigen Tor.

Enrique ließ Zukunft offen

Selbst Andres Iniesta (31) wirkte nach seiner Auszeichnung zum "Man of the Match" noch kein bisschen gesättigt. Nachdem er zum dritten Mal in seiner Karriere in einem CL-Finale einen Assist anschrieb, sagte der Welt- und Europameister: "Herausforderungen bleiben immer. Wer keine sieht, schaut nicht genau genug. Wir haben jetzt ein Triple zu verteidigen." Ungewiss ist, ob der Architekt dieses Konzerts der "Könige von Europa" (Marca) bleibt. Trainer Enrique machte nach dem Triumph erneut ein Hehl aus seinen Plänen für die Zukunft. Darüber werde in den kommenden Tagen entschieden, jetzt gelte es zu feiern, sagte der von allen nur "Mister" genannte Spanier nichtssagend. "Wir wollen diesen erfolgreichen Weg weitergehen", meinte er stellvertretend für den Klub, aber eben nicht unbedingt für sich selbst. Nach nur einem Jahr bei der Blaugrana hat Enrique so gut wie alles gewonnen. Im Herbst wären der UEFA-Supercup (in Georgien) und die Klub-WM abzuholen.

Zufriedene Verlierer

Bei Juventus gilt der anfangs ungeliebte Massimiliano Allegri nach einer Traumsaison als gesetzt. Die dankbaren Tifosi applaudierten seiner Mannschaft auch nach der Niederlage in Berlin jedenfalls noch lange für den wackeren Kampf, mancher feierte mit den Barcelona-Fans durch die Berliner Nacht. "Wir können uns noch verbessern", garantierte der Italiener, wobei er nicht die Ergebnisse meinte. Den Bianconeri steht aber ein gewisser Umbruch im Kader bevor. Für den meist glanzlos gebliebenen Andrea Pirlo endete der Abend in Tränen und in einer symbolträchtigen Umarmung zum Abschied mit Xavi. Ob der 36-jährige "Professor" nach dieser Saison doch noch ein Jahr dranhängt, wollte vorerst niemand beantworten. (Tom Schaffer aus Berlin, 7.6.2015)

  • Während ganz Barcelona im Jubel ertrank, holte sich Gerard Pique in aller Seelenruhe sein Souvenir.
    foto: apa

    Während ganz Barcelona im Jubel ertrank, holte sich Gerard Pique in aller Seelenruhe sein Souvenir.

  • Das Ende einer Ära: Pirlo und Xavi kämpften ein letztes Mal auf der großen Bühne um die Frucht.
    foto: epa/eisenhuth

    Das Ende einer Ära: Pirlo und Xavi kämpften ein letztes Mal auf der großen Bühne um die Frucht.

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