Belastungen für Au-Pairs und Studentenheime drohen

7. Juni 2015, 09:47
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Au-pairs sollen künftig Sozialbeiträge zahlen und benötigen eine Arbeitserlaubnis. Die Umsatzsteuer für Studentenheime droht zu steigen

Wien - Die Steuerreform wirft viele Fragen auf: Mit dem Ende der Begutachtungsfrist in der Nacht auf Samstag haben zahlreiche Stellungnahmen noch eine Reihe an Schwierigkeiten aufgezeigt. Neben den Klagen über die Lockerung des Bankgeheimnisses, über den Ausschluss von Mindestpensionisten von der Steuergutschrift, die Einschränkung von Absetzposten und die Umstellung der Grunderwerbsteuer auf den Verkehrswert gibt es mehrere Komplikationen an vermeintlichen Nebenfronten.

So drohen beispielsweise Au-pair-Kräften Mehrbelastungen. Einen Aufschrei gibt es von Studentenheimbetreibern, die sich mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Nächtigungen konfrontiert sehen. Doch der Reihe nach. Bei Au-pairs werden Übernachtung und Verpflegung bei der Gastfamilie nicht als geldwerter Vorteil eingestuft, weshalb sie unter der Geringfügigkeitsgrenze bleiben und keine Sozialbeiträge zahlen. Ebenfalls nicht als Bezug gewertet wird die Teilnahme an Sprachkursen und an kulturellen Veranstaltungen. Das ändert sich mit der geplanten Steuerreform.

Au-Pairs rentieren sich nicht mehr

Die Folgen werden als weitreichend eingestuft. Das Ministerium für Familie und Jugend hält in seiner Stellungnahme zum Begutachtungsentwurf fest, dass sich für Au-pairs künftig "eine Tätigkeit in Österreich nicht mehr rentiert". Ergo: "Aus familienpolitischer Sicht ist die Neuregelung abzulehnen", schlussfolgert das von Sophie Karmasin geführte Ressort.

Die Arbeiterkammer ortet neben der Beitragspflicht eine weitere Bedrohung. Durch die geplante Gesetzesreform ändere sich auch der Status am Arbeitsmarkt: Künftig bräuchten Au-pairs aus Drittstaaten eine Beschäftigungsbewilligung, die ihnen nach derzeitiger Rechtslage nicht zustehe. Deshalb werden auch hier Korrekturen verlangt.

13 Prozent Steuersatz

Ebenfalls überraschend zum Handkuss zu kommen droht eine ganz andere Einrichtung: jene der Studenten- und Schülerheime. Sie würden von der Anhebung des Umsatzsteuersatzes für Beherbergungen von zehn auf 13 Prozent getroffen. Die gemeinnützigen Studierenden-Heimträger Österreichs haben bereits auf den Umstand hingewiesen und verwehren sich gegen diesen Plan, so es sich wirklich um die Intention des Gesetzgebers handle.

Dass der Entwurf zu einer höheren Besteuerung der Studenten- und Schülerheime führen würde, bestätigt die Arbeiterkammer. Das Finanzministerium ließ am Freitag verlauten, dass mit einer Umsatzsteuerrichtlinie klargestellt werden soll, dass ein "durchschnittliches Studentenheim" nicht in den höheren Steuersatz fallen soll. (Andreas Schnauder, 7.6.2015)

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