Kiew: Gewalt gegen Homosexuellen-Marsch

6. Juni 2015, 20:28
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Mitglieder des "Rechter Sektors" warfen Steine und Mülltonnen - mindestens zehn Verletzte

Kiew - Bei einem Homosexuellen-Marsch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist es am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und Rechtsextremen gekommen. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt, als die rund hundert Teilnehmer an der Gay Pride sowie die Polizei von Anhängern der ultrarechten Organisation Prawy Sektor (Rechter Sektor) angegriffen wurden.

Sie warfen Steine und Mülltonnen auf die Demonstranten und die sie beschützenden Sicherheitskräfte. Schon vor Beginn des Marsches, der nur zehn Minuten dauerte, hatten sich etwa 20 Mitglieder von Prawy Sektor in der Nähe versammelt, die meisten trugen schwarze Masken. Daneben parkte ein schwarz-roter Kleinbus mit dem Emblem der Organisation, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Knallkörper und Knüppel

Bei den Zusammenstößen wurden neun Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer, wie das Innenministerium mitteilte. Auch ein Ultranationalist wurde verletzt, wie der AFP-Reporter berichtete. Die teils Vermummten versuchten, die Kundgebung mit Knallkörpern und Knüppeln aufzulösen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, es seien etwa zehn Demonstranten durch die Angreifer verletzt worden. Laut Polizeiangaben wurden 25 Menschen festgenommen.

Etwa 200 Menschen hatten trotz Bedrohungen aus der rechten Szene unter starkem Polizeischutz und weit entfernt vom Stadtzentrum für die Rechte von Schwulen und Lesben demonstriert. An dem nur für Eingeweihte organisierten Demonstrationszug mit Regenbogenfahnen und Trommelwirbel nahmen ukrainische Parlamentsabgeordnete und Menschenrechtler teil. Auch eine deutsche Delegation der Partnerstadt München und eine EU-Abgeordnete waren unter den Teilnehmern.

Klitschko riet zu Absage

Im Vorfeld hatte Bürgermeister Vitali Klitschko die Organisatoren nach Gewaltdrohungen noch aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Präsident Petro Poroschenko hatte die Demonstration allerdings als "verfassungsmäßiges Bürgerrecht" verteidigt.

foto: epa/roman pilipey
200 bei der Kiewer Gay Pride

Es war erst die zweite Gay Pride überhaupt in der Ukraine seit dem Zerfall der Sowjetunion. In dem mehrheitlich konservativen Land ist Homophobie weit verbreitet. (red/APA, 6.6.2015)

  • Polizeischutz für die Parade
    foto: reuters/oleg pereverzev

    Polizeischutz für die Parade

  • Rechter Sektor gegen Polizei
    foto: reuters/maksym kudymets

    Rechter Sektor gegen Polizei

  • Polizei gegen Rechten Sektor
    foto: ap photo/vladimir donsov

    Polizei gegen Rechten Sektor

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