Wikileaks TTIP-Kopfgeld: Gefahr für Whistleblowing?

6. Juni 2015, 16:23
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Kritiker sehen in Wikileaks Initiative ein Schwenk zum Handel mit Geheimdokumenten

100.000 US-Dollar Preisgeld hat die Whistleblower-Plattform Wikileaks für einen Informanten ausgeschrieben, der die bisher unbekannten Teile des Freihandelsabkommen TTIP beschafft. Per Crowdfunding soll das Geld zusammenkommen, bisher gaben fast 800 Leute ihr Zugeständnis für mehr als 50.000 Dollar.

Wie soll das Geld überwiesen werden?

Fraglich ist allerdings, ob der jeweilige Whistleblower tatsächlich das Geld erhält und wie diese Überweisung überhaupt aussehen soll. Zudem handelt es sich bei der Spendensumme nicht um tatsächliches Geld, sondern nur um eine Zusicherung, für die es lediglich eine Mail-Adresse benötigt. Erst wenn die 100.000 Dollar zusammengekommen, muss der jeweilige Betrag auch überwiesen werden.

In Zukunft mehr solcher Wettbewerbe

2013 gab es bereits einen ähnlichen Spendenaufruf, um an TTIP-Dokumente zu kommen. Damals wurden Zusicherungen in Höhe von 2.147.483.647 Dollar zusammengekratzt, Geld wurde allerdings nie überwiesen. WikiLeaks will trotzdem an diesem System festhalten und in Zukunft vermehrt auf Crowdfunding bei den "meistgewünschten Leaks" setzen.

Geheimdokumente als Handelsware?

Kritiker sehen darin eine Entwicklung dazu, dass Whistleblowing zum Geschäft verkommt und Geheimdokumente in Zukunft gehandelt werden. Falls unterschiedliche Plattformen anfangen regelrechte Wettbewerbe über die "besten" Geheimnisse zu starten, ist fraglich, ob dies nicht mehr schädlich als förderlich für Whistleblowing ist.

Julian Assange will an Idee festhalten

WikiLeaks-Gründer Julian Assange will trotzdem an der Idee festhalten. Er sieht die TTIP-Aktion als ein "Preisgeld, das Mut und Hartnäckigkeit" belohnt. Zudem wollte die Plattform bereits früher mit finanziellen Mitteln um Informationen werben, aus rechtlichen Gründen sah man zuvor davon jedoch ab. (red, 06.06.2015)

  • Wikileaks-Gründer Julian Assange will künftig Geld für Geheimdokumente bezahlen.
    foto: reuters/pool

    Wikileaks-Gründer Julian Assange will künftig Geld für Geheimdokumente bezahlen.

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