Wrack am Jangtse mit Kränen aufgerichtet

5. Juni 2015, 17:06
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Hunderte Tote müssen noch geborgen werden, chinesische Behörden haben praktisch keine Hoffnung mehr auf Überlebende

Jianli - Nach der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse-Fluss in China mit voraussichtlich mehr als 440 Toten ist das Wrack am Freitag mit Kränen gedreht und aufgerichtet worden. Das Touristenschiff "Stern des Orients" soll aus dem Wasser gehoben werden, um die Suche nach den Leichen zu erleichtern, wie die Bergungstrupps berichteten.

Ein Netz um das Wrack sollte verhindern, dass die Strömung die Leichen bei dem zweistündigen Drehmanöver wegtreibt. "Der nächste Schritt ist, das Schiff zu heben und das Wasser ablaufen zu lassen", sagte Ma Xin, der Sprecher der Bergungskräfte. Danach sollen die Leichen aus dem Wrack geborgen und identifiziert werden.

Drei Tage nach dem Kentern eines Ausflugsschiffs haben die Behörden eingeräumt, dass es praktisch keine Hoffnung mehr auf Überlebende gibt. Eine eingehende Untersuchung der Gegebenheiten habe ergeben, dass die Chancen, vermisste Insassen zu retten, "immer geringer" würden, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Xu Chengguang, bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend. Die Bergungsarbeiten in trübem, 15 Meter tiefem Wasser waren nur langsam vorangekommen.

Rettung hat "oberste Priorität"

Am Donnerstag hatten die Behörden damit begonnen, das Schiff mithilfe zweier großer Kräne aufzurichten. Dieses Vorgehen gründe sich auf der "allgemeinen Einschätzung, dass Überlebende nicht möglich sind", sagte der Ministeriumssprecher. Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, wäre es laut Staatsmedien das schwerste Schiffsunglück seit fast 70 Jahren. Kurz zuvor hatte die Regierung in Peking noch zugesichert, die Suche nach Vermissten fortzusetzen, denn die Rettung von Leben habe "oberste Priorität".

An Bord des am Montagabend verunglückten Schiffs waren 456 Menschen gewesen, bisher wurden nur 14 von ihnen gerettet. Nach Angaben von Staatsmedien wurde mittlerweile der Tod von 82 Insassen bestätigt. Nach Angaben des Staatsfernsehens trafen am Unglücksort Jianli in der Provinz Hubei bereits mehr als 1.200 Angehörige der Unglücksopfer ein.

Viele Senioren an Bord

Das überwiegend mit Senioren besetzte Ausflugsschiff war am Montagabend während einer Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse gekentert und binnen kurzer Zeit gesunken. Unglücksursache war nach Angaben von Überlebenden und Meteorologen ein Wirbelsturm. Im Gegensatz zu anderen Schiffen war der "Stern des Ostens" nach einer entsprechenden Sturmwarnung nicht vor Anker gegangen.

Die Ermittlungen in die Ursache des Unglücks läuft. "Viele Fragen bleiben unbeantwortet", stellte das Staatsfernsehen fest. Der Kapitän, der wie der Chefingenieur überlebte, hatte von einem Tornado gesprochen, der das vierstöckige Schiff in Schieflage und "in ein bis zwei Minuten" zum Kentern gebracht habe. (APA/AFP, 5.6.2015)

  • An Bord des gekenterten Schiffs waren 456 Menschen, bisher wurden nur 14 von ihnen gerettet.
    foto: apa/epa/yuan zheng

    An Bord des gekenterten Schiffs waren 456 Menschen, bisher wurden nur 14 von ihnen gerettet.

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