Neue Raketen sollen Selbstmord-Panzerattacken stoppen

7. Juni 2015, 08:00
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IS-Jihadisten setzen sprengstoffbeladene Kettenfahrzeuge ein - USA liefern schwedisches Panzersystem

Bei der Eroberung der irakischen Stadt Ramadi Ende Mai hat die Jihadistengruppe IS ("Islamischer Staat") eine neue Waffe eingesetzt. Die Aufständischen beluden Panzerfahrzeuge, die sie von der flüchtenden irakischen Armee erbeutet hatten, mit Sprengstoff und setzten die von Selbstmordattentätern gesteuerten Fahrzeuge ein, um Verteidigungsstellungen zu durchbrechen.

Laut Angaben des US-Außenministeriums kamen beim Angriff auf Ramadi bis zu 30 sprengstoffbeladene Fahrzeuge zum Einsatz, zehn Explosionen waren mindestens so stark wie die der LKW-Bombe, mit der Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh 1995 insgesamt 168 Menschen tötete.

Dem Fahrer einer Panzerbombe, der am Montag eine Polizeistation nahe der Stadt Samarra angriff, gelang es, zwei vor dem Tor geparkte Humvee-Geländewagen beiseite zu schieben, bevor er sein Fahrzeug zur Explosion brachte. Bei dem Angriff starben mindestens 40 irakische Soldaten.

Die USA kündigten darauf an, zusätzliche Panzerabwehrraketen zu liefern. Insgesamt 2.000 AT4-Systeme des schwedischen Herstellers Saab sind bereits im Irak eingetroffen. Tausend davon wurden laut CNN an irakische Regierungstruppen übergeben.

Die seit 1987 erhältliche Panzerabwehrwaffe wird von zahlreichen Armeen weltweit eingesetzt. Sie kann auch aus beengten Räumlichkeiten wie Bunkern abgefeuert werden, ohne den Schützen zu gefährden. Dadurch eignet sie sich besonders für den Kampf in bebauten Gebieten.

Außerdem haben die Iraker russische "Kornet"-Panzerabwehrraketen beschafft. Mit diesen soll es der Besatzung eines Armeestützpunktes im 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Al-Shiha am Samstag gelungen sein, insgesamt acht Selbstmordangriffe abzuwehren.

"Autobomben-Fabrik" zerstört

Am Mittwoch gelang es Mitgliedern der US-geführten Koalition, eine Fabrik, in der IS-Jihadisten Fahrzeuge für den Einsatz als rollende Bomben modifizierten, durch Luftangriffe zu zerstören. Laut einem Oberst der irakischen Armee war die Anlage in der Nähe der nordirakischen Stadt Hawijah die größte ihrer Art. Die Explosionen waren laut AFP noch im 55 Kilometer entfernten Kirkuk zu hören. Bei dem Angriff wurden laut Spitalsangaben über 70 Personen getötet.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter übte indes wegen der Niederlage in der irakischen Provinz Anbar heftige Kritik an der irakischen Armee. Er wies im Fernsehsender CNN darauf hin, beim Kampf um Ramadi seien die Iraker der IS-Miliz zahlenmäßig weit überlegen gewesen. "Die irakischen Truppen haben einfach keinen Willen zum Kampf gezeigt", monierte er. (red, 5.6.2015)

  • IS-Kämpfer auf einem erbeuteten Panzer (Archivbild aus dem syrischen Raqqa)
    foto: reuters

    IS-Kämpfer auf einem erbeuteten Panzer (Archivbild aus dem syrischen Raqqa)

  • Bisher war die irakische Armee auf veraltete RPG-Panzerabwehrwaffen angewiesen
    foto: epa/alaa al-shemaree

    Bisher war die irakische Armee auf veraltete RPG-Panzerabwehrwaffen angewiesen

  • Saab AT4 im Einsatz im Irakkrieg, Juni 2007
    foto: ap/sgt. michael pryor, us army

    Saab AT4 im Einsatz im Irakkrieg, Juni 2007

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