"Tatort" von Robert Dornhelm auf ORF 2: Die Gier ist ein Hund

6. Juni 2015, 08:00
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Einen Tatort zu sehen reicht nur bedingt um einen zu machen - kein Schmäh

Mit ihrem neuen Fall haben Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) keine rechte Freude. Weil ihr Chef das Opfer kennt, sollen sich die Wiener Mordkommissare einen vermeintlichen Arbeitsunfall in einer Chemiefabrik genauer anschauen.

Was sie sehen, ist ein Sumpf aus Habgier, Rachegelüsten und übertriebener Loyalität. Gier ist der Titel dieser Tatort-Folge (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF 2/ARD), Regie führte Robert Dornhelm, Macher von Filmen wie Echo Park, Requiem für Dominic und Kronprinz Rudolf.

Maria Köstlinger spielt die Geschäftsfrau Sabrina Wendler, die sich durch den Verkauf der Firma ein luxuriöses Leben in der Karibik erhofft. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber will sie dorthin abhauen. Ihr Ehemann Peter (Anian Zollner) sitzt in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Mit ihm ist aber trotzdem zu rechnen, gekonnt zieht er die Fäden. Frau Schneider, seine Sekretärin, hilft ihm dabei. Seit vierzig Jahren ist die treue Seele für die Wendlers tätig. Dass zu viel Loyalität aber schaden kann, wird auch sie noch merken.

Dornhelm ist kein Tatort-Kenner, vor den Dreharbeiten zu Gier habe er nur einen gesehen. Und das merkt man. Er packt zu viel in den Fall. Wirtschaftskriminalität, persönliche Bereicherung, Globalisierungskritik, verletzte Gefühle, Gewalt in der Ehe werden verhandelt. Die Figuren wirken konstruiert.

Herausgekommen ist ein recht altmodischer Kriminalfall, Spannung will kaum aufkommen. Da hilft auch der Einsatz von Splitscreens nicht. Und auf den Schmäh zwischen Eisner und Fellner muss man fast ganz verzichten. Schade drum. (Astrid Ebenführer, 5.6.2015)

  • Wenn der Chef es so will, wird auch einmal ein Arbeitsunfall untersucht
    foto: orf

    Wenn der Chef es so will, wird auch einmal ein Arbeitsunfall untersucht

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