Apple & Co. wetteifern mit Investmentfonds

7. Juni 2015, 09:00
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US-Technologieriesen horten insgesamt eine halbe Billion Dollar und stecken sie in Anleihen

Wer in den USA eine große Unternehmensanleihe platzieren will sollte nicht nur an der Wall Street die Werbetrommel rühren, sondern auch einen Abstecher nach Reno einplanen. In der Casinostadt in Nevada haben nämlich die Kapitalmanagement-Einheiten von Apple und Oracle ihren Sitz - und diese spielen an den Anleihenmärkten mittlerweile eine ähnlich gewichtige Rolle wie große Fondsanbieter. Insgesamt haben die zehn größten US-Technologiefirmen ihre liquiden Mittel seit 2008 auf über eine halbe Billion US-Dollar verdreifacht, die nach Veranlagung gieren.

Laut Insidern kaufen einzelne US-Technologiegrößen bei Neuemissionen von Unternehmensanleihen mit guter Bonität und bis zu drei Jahren Laufzeit gleich ein Fünftel am Stück. Als Großabnehmer, welche die Papiere in der Regel bis Laufzeitende halten, sind Apple & Co. bei Emittenten sehr beliebt. Damit stehen sie im direkten Wettbewerb mit Fondsgrößen wie Pimco, Blackrock oder Vanguard. Auch diese bieten bei Platzierungen im großen Stil mit, da bei Emissionen ein Abschlag gegenüber den Marktpreisen gewährt wird.

Barreserven am Fiskus vorbeisteuern

Viel von dem riesigen Geldreserven der US-Technologieriesen sind im Ausland geparkt und können nicht direkt in die USA zurückgeholt werden, ohne Rückführungssteuern bezahlen zu müssen. Um eine Versteuerung zu umgehen, werden die liquiden Mittel in Unternehmensanleihen investiert. Bei Apple waren es laut Bloomberg-Daten Ende März etwa fast 90 Prozent der insgesamt 193,5 Milliarden Dollar an Barreserven, die bei ausländischen Töchtern in der Bilanz stehen.

Am Markt für Unternehmensanleihen wird jedoch befürchtet, dass die hohe Nachfrage der US-Technologiefirmen abreißen könnte. Ein Auslöser könnten Steuernachlässe für die Heimführung der Barreserven sein. Dem Vernehmen nach bemühen sich diese seit Jahren im Kongress um derartige Sonderregelungen. Auch im Fall eines deutlichen Renditeanstiegs wird befürchtet, dass sich die "Techies" aus Unternehmensanleihen zurückziehen und stattdessen US-Staatsanleihen zuwenden könnten. (Alexander Hahn, 7.6.2015)

  • Ein neuer Stern am Anleihenhimmel sind US-Technologieriesen wie Apple. Diese horten hunderte Milliarden an Barresereven und kaufen damit Unternehmensanleihen in Größenordnungen wie Investmentfonds.
    foto: david gray

    Ein neuer Stern am Anleihenhimmel sind US-Technologieriesen wie Apple. Diese horten hunderte Milliarden an Barresereven und kaufen damit Unternehmensanleihen in Größenordnungen wie Investmentfonds.

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