Krise erspart Bund sechs Milliarden an Zinsen

5. Juni 2015, 14:58
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Oberndorfer: Nach Laufzeitverlängerungen bei Zinsanstieg wenig Stress

Wien - Was für Sparer bitter ist, ist zumindest für den Staatshaushalt ein Vorteil: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nach den Finanzkrisen hat dem Bund von 2008 bis Juni 2015 mehr als 6 Milliarden Euro erspart, wenn man die Zinsen mit den Voranschlägen vergleicht. Der Bund kann, so die Bundesfinanzierungsagentur, auch von weiteren Reduktionen der Zinslast ausgehen.

Weil Österreich in der Tiefzinsphase die Laufzeiten im Staatsanleiheportfolio verlängert habe, "kann für das Budget selbst bei gestiegener Staatsschuld wenig Stress aus steigenden Zinsen entstehen", sagte Martha Oberndorfer, die kommenden Montag nach siebeneinhalb Jahren an der Spitze der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) an die Spitze der Staatsholding ÖBIB (ehemals ÖIAG) wechselt.

Der Großteil des Schuldenportfolios von 200 Mrd. Euro sei zum Festsatz verzinst. Wenn die Zinsen steigen, schlage sich dies nur auf jenen Teil durch, der neu finanziert werden müsse. Das seien im Schnitt 15 bis 20 Milliarden Euro im Jahr. Oberndorfer sieht die Zinskosten damit relativ gut abgefedert.

In 150 Emissionen habe die OeBFA für die Republik von Anfang 2008 bis Juni 2015 140 Mrd. Euro Finanzschulden aufgenommen. Mit einer Emission über 1,1 Mrd. Euro (via Aufstockung zweier bestehender Bonds) am kommenden Dienstag hat der Bund dann rund 40 Prozent des für heuer geplanten Volumens (in Summe 22 bis 24 Mrd. Euro) aufgenommen.

Markt-Anomalie

Im Schnitt liegt die Laufzeit derzeit bei 8,5 Jahren. Am kürzeren Ende herrschen weiter Negativzinsen. Wer also dem Staat Geld borgt, zahlt sogar etwas dafür. Oberndorfer hofft, dass diese "Markt-Anomalie" bald beendet ist.

Vom EZB-Anleiheaufkaufsprogramm ist der österreichische Staatsanleihesekundärmarkt tangiert: Die Oesterreichische Nationalbank kauft den Banken bis Herbst 2016 in Summe so viel ab, wie die OeBFA in einem ganzen Jahr emittiert. "Wir hören immer wieder vom Markt, dass manche Investoren Angst haben, dass sie nicht genügend Papiere im gewünschten Laufzeitbereich bekommen", berichtet die OeBFA-Managerin.

Auf null stehen momentan auch die "Bundesschatz"-Zinssätze bei einmonatiger Laufzeit. Bei 3 Monaten gibt es 0,05 Prozent Zins auf das Internet-Retailsparprodukt der Staats-Treasurer. "Das ist der Sachverhalt am Markt, dass da leider null Zinsen stehen", sagten Oberndorfer und der ab Montag amtierende Interims-Chef der OeBFA, Markus Stix. "Natürlich ist das nicht erfreulich für die Anleger, aber wenn Sie mit dem Herz des Steuerzahlers denken, kann man froh sein, dass Österreich bei den Ländern ist, die weltweit die niedrigsten Zinsen haben." Mit 6,4 Mrd. Euro beziffert die OeBFA das Bundesschatz-Einlagevolumen samt Treasury Bills. Die OeBFA betreibt die Bundesschatz-Internetseite, wo Bürger direkt Staatsschulden "kaufen" können.

Die Kommerzbanken hatten dem Bund bei der Erfindung des Sparprodukts (2002) Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen. Dass Wettbewerb und Transparenz belebt wurden, kann OeBFA-Manager Stix bestätigen: Die Kunden seien früher mit den Ausdrucken von Bundesschatz-Seiten in ihre Banken gegangen und wollten dort auch bessere Zinsen haben. Jetzt zahlen die klassischen Banken mehr. Die OeBFA findet weiter nichts Ungewöhnliches am Retailangebot, zumal auch in den USA Bürger direkt beim Bund anlegen können. Anders als in Deutschland, wo das Neugeschäft eingestellt ist, gibt es für Bundesschatz.at derzeit keine Änderungspläne, heißt es. (APA, 5.6.2015)


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