Verkaufswelle bereitet Gross Kopfzerbrechen

5. Juni 2015, 14:52
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Trotz der jüngsten Ausverkaufswelle wähnt US-Starinvestor Bill Gross Staatsanleihen noch nicht in einem Bärenmarkt

Nach dem zweiten Kurseinbruch binnen weniger Wochen dürfte das zweite Quartal 2015 für die internationalen Anleihenmärkte wohl das schwächste seit fünf Jahren werden. Die Erschütterungen, welche die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen zeitweise auf fast ein Prozent in die Höhe haben schnellen lassen, bereiten dem Anleihen-Veteran Bill Gross von Janus Capital jedenfalls Kopfzerbrechen. "Ich bin zutiefst erschrocken", sagte der seit 44 Jahren im Anleihengeschäft tätige Fondsmanager in einem Bloomberg-Interview. "Aber ich glaube nicht, dass wir schon in einem Bärenmarkt sind."

Gross sieht noch keine Abwärtsspirale bei US-Staatsanleihen, solange das Inflationsziel der US-Notenbank Fed, das wie bei der EZB bei zwei Prozent liegt, nicht erreicht wird. Zuletzt wurde die Teuerung in den USA im April bei 0,1 Prozent ermittelt. Im gleichen Monat lag der Wert für die Eurozone zwar bei exakt null, dennoch wirkt die Inflationsdynamik diesseits des Atlantiks derzeit stärker. Steigende Teuerungsraten gelten als Gift für Anleihenmärkte, da die inflationsbereinigte Realverzinsung dadurch automatisch abnimmt.

Angst vor Negativspirale

Dementsprechend haben zehnjährige deutsche Bundesanleihen am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche die stärksten Renditeanstiege seit Einführung der Eurozone erlebt. Am Freitagnachmittag wurden die Papiere mit 0,87 Prozent verzinst. Knapp nach Beginn des Anleihenkaufprogramms der EZB hatten sie Mitte April noch ein Rekordtief von 0,05 Prozent erzielt, bevor die Verkaufswellen einsetzten. Als wenig beruhigend wurde am Markt der Hinweis der EZB aufgefasst, Investoren sollten sich auf eine höhere Schwankungsfreudigkeit von Staatspapieren einstellen.

Marktteilnehmer führen das starke Ausmaß der Kurs- und Renditeschwankungen auf einen "ausgetrockneten" Markt zurück, in dem vergleichsweise geringe Verkaufsorders für ungewöhlich starke Kursausschläge sorgen. Nun macht am Markt die Sorge die Runde, dass eine weiterhin schwache Performance viele Fondsmanager dazu verleiten könnte, zusätzliches Geld aus den Anleihemärkten abzuziehen - womit den Bondmärkten eine Negativspirale droht.

  • "Zutiefst erschrocken" ist der seit 44 Jahren im Anleihengeschäft tätige Fondsmanager Bill Gross über das Ausmaß der jüngsten Kursverluste.
    reuters, jim young

    "Zutiefst erschrocken" ist der seit 44 Jahren im Anleihengeschäft tätige Fondsmanager Bill Gross über das Ausmaß der jüngsten Kursverluste.

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