Bringt mir den Kopf von Hans Niessl!

Kolumne5. Juni 2015, 17:00
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Für eine Politik des Transplantierens

Manche Meldungen kommen genau zur richtigen Zeit. Der italienische Neurochirurg Sergio Canavero hat kürzlich angekündigt, dass er beabsichtige, bald die weltweit erste Kopftransplantation durchzuführen. Da und dort regt sich zwar Kritik an dem Unterfangen ("Frankenstein lässt grüßen" titelt die Neue Zürcher Zeitung). Aber wieso sollte man sich mit aller Kraft gegen den Fortschritt stemmen?

Kopftransplantationen hätten viele Vorteile. Wenn man seines eigenen Kopfes überdrüssig geworden ist (Denkschwäche, Speckbacken, Migräne, Glatzenbildung, man hat ihn schon zu oft im Spiegel gesehen etc.), legt man sich einfach bei Doktor Canavero unters Messer, lässt sich um den alten Kopf kürzer machen und einen neuen aufmontieren ("Ich hab da einen Traumschädel von einem römischen Organspender im Angebot, Si-gnore! Volle Haarpracht, Eins- a-Gebiss, klassisches Profil").

Natürlich könnte eine gute Transplantationskultur auch politisch Früchte tragen. Im Burgenland spräche einiges dafür, dass sich Hans Niessl den Kopf des örtlichen FP-Capos Johann Tschürtz und umgekehrt Tschürtz sich den Kopf von Niessl aufsetzen lässt.

Wer dabei ästhetisch das bessere Geschäft macht, bleibe dahingestellt. Wichtig ist das Signal, dass man den Wählerwillen richtig verstanden und keine Berührungsängste mit dem politischen Mitbewerber hat. Das steigert auch die Glaubwürdigkeit für den Wähler.

Durch Kopftransplantationen besiegelte Koalitionen wären quasi eine intensivierte Form der aus den Karl-May-Romanen bekannten Blutsbrüderschaft, eine Blutzerbrüderschaft sozusagen. Und gegen eine rot-blaue Blutzerbrüderschaft im Burgenland müssten Verfechter der ewigen großen Koalition und der Permanentdistanz zu den Blauen schon sehr starke Zeichen setzen, wenn sie nicht ganz auf den Kopf gefallen sind.

Empfehlenswert wäre wohl eine ganze Reihe von Kopftransplantationskombinationen in der Bundesregierung: Faymann tauscht mit Mitterlehner, Hundstorfer mit Karmasin und Heinisch-Hosek mit Kurz. Da käme sicher etwas Gescheites heraus. Zusatzvorteil: Auch das ewige Gekrittel, dass diese Regierung kopflos agiere, wäre endlich vom Tisch. So viel zu transplantieren wie heute in Österreich gibt es nicht alle Tage: Herr Doktor Cavanero, übernehmen Sie! (Christoph Winder, Album, 5.6.2015)

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