Jan Philipp Reemtsma übergibt sein Institut an Nachfolger

6. Juni 2015, 11:00
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Hamburger Institut für Sozialforschung wird künftig von Wolfgang Knöbl geleitet

Hamburg - 1984 gründete der Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma in Hamburg das Institut für Sozialforschung (HIS), dessen Vorstand er bisher war. Die rund 60 Mitarbeiter erforschen vor allem Themen wie Gewalt, Folter und Armut und deren Folgen. Nun legt Reemtsma die Verantwortung endgültig in die Hände seines Nachfolgers Wolfgang Knöbl. 31 Jahre nach der Gründung des Instituts hält Reemtsma sein Abschiedsreferat mit dem Titel "Gewalt als attraktive Lebensform".

Ins öffentliche Bewusstsein hat sich Reemtsma seit 1995 mit der Wehrmachtsausstellung eingebrannt. Die Wanderausstellung "Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" rückte das Bild von der angeblich sauberen Wehrmacht in Deutschland zurecht. Es habe sogar Morddrohungen danach gegeben, sagte Reemtsma. 1999 entdecken Experten bei einigen Fotos allerdings falsche Deutungen und Zuordnungen. Reemtsma ließ die Dokumenten-Schau überarbeiten, die Botschaft aber blieb.

Werdegang

Am 26. November 1952 wurde Jan Philipp Reemtsma in Bonn geboren. Er stammte aus der zweiten Ehe des Hamburger Tabak-Unternehmers Philipp Fürchtegott Reemtsma. Als der Vater starb, war Jan Philipp sieben Jahre alt. Später studierte er in Hamburg Literaturwissenschaft und Philosophie. Mit 26 Jahren verkaufte er seine Firmenanteile.

Als Literaturprofessor, Soziologe und Stifter hat sich der eigensinnige Denker Reemtsma große Anerkennung erworben. Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts, Zivilisationstheorie und die Geschichte der menschlichen Destruktivität sind seine Schwerpunkte. 1981 hat er die Arno Schmidt Stiftung gegründet.

Über sein Privatleben spricht der 62-Jährige sehr ungern. Eine Entführung zerrte den damals 44-jährigen Reemtsma aber ins Licht der Öffentlichkeit: 1996 wurde er von mehreren Tätern verschleppt und 33 Tage in einen Keller in Niedersachsen eingesperrt. Gegen umgerechnet 15,3 Millionen Euro Lösegeld ließen die Entführer Reemtsma frei: Eine Gewalterfahrung, die ihn setdem sein ganzes weiteres Leben begleitete. (APA/red, 6.6. 2015)

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