Kritik an Verzögerung von Überführung von sterblichen Überresten

5. Juni 2015, 13:36
1 Posting

"Der Zorn und die Verzweiflung nehmen zu"

Hamburg/Düsseldorf/Seyne-les-Alpes - Angehörige der deutschen Opfer des Germanwings-Absturzes haben sich entsetzt über mögliche Verzögerungen bei der Überführung der sterblichen Überreste aus Frankreich gezeigt. "Der Zorn und die Verzweiflung nehmen zu", zitierte die "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe) aus einem Brief, mit dem sich Angehörige über ihren Anwalt Elmar Giemulla zu Wort meldeten.

Fehler bei Sterbedokumenten

Zuvor war bekannt geworden, dass es bei der Ausstellung von Sterbedokumenten der Opfer zu Fehlern gekommen war. Ein konkreter Termin für die Überführung der Verstorbenen wurde auch am Freitag zunächst nicht bekannt.

Dem Brief zufolge war die Überführung schon seit längerem für den 9. und 10. Juni angesetzt. "Dementsprechend haben die Familien ihre Vorbereitungen für die Beerdigungen getroffen", heißt es in dem Schreiben. So seien für den 12. Juni die ersten Beisetzungen von bei dem Absturz getöteten Schülern aus dem nordrhein-westfälischen Haltern geplant. Stattdessen würden nun "Trauerbriefe von der Post zurückgeholt, Verwandte versuchen, Flüge und Hotelzimmer zu stornieren".

Psychologisch auf Termin fixiert

"Für die Hinterbliebenen sollte es der physische Abschluss des ersten Kapitels in der Katastrophe sein", sagte Giemulla der "Bild"-Zeitung. "Viele Angehörige waren psychologisch auf diesen Termin fixiert und sind jetzt in eine emotionale Katastrophe geraten."

Nach Angaben eines Germanwings-Sprechers vom Donnerstag hatten Sterbedokumente durch die Fehler ihre Gültigkeit verloren und müssen neu ausgestellt werden. Er sprach von einer "kurzfristigen Unterbrechung". "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, im Interesse der Angehörigen eine schnellstmögliche Lösung zu finden".

Bei dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Zu den Opfern zählten 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums aus Haltern. Den Ermittlungen zufolge ließ der Copilot Andreas L. die Maschine absichtlich abstürzen, um sich das Leben zu nehmen. Den Flugkapitän hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt. (APA/AFP, 5.6.2015)

Share if you care.