Wort der Woche: Blau

6. Juni 2015, 17:00
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Kinder, so blau kommen wir ned mehr z'amm! Blaue Briefe, blaue Montage und sonstige blaue Wunder

Hier haben wir das klassische nationale Paradoxon: Sieht ein Österreicher schwarz oder rot, dann wählt er blau, koste es, was es wolle. Ein paar Milliarden Schulden wie bei der Hypo Alpe Adria müssen einem ein paar lustige Minuten an der Wahlurne wert sein.

Blau gibt nicht nur den Politologen Rätsel auf. Auch Etymologen schlagen sich mit übertragenen Blau-Verwendungen herum, die sie nicht exakt erklären können. Bei manchen weiß man aber, woher das Blaue kommt (nach Kluges Etymologischem Wörterbuch): Der blaue Brief bezieht sich auf die Farbe amtlicher Schreiben aus früherer Zeit; blaue Montage (oder blau machen) standen den Handwerks gesellen zu. Vielleicht wurden sie deswegen "blau" genannt, weil die Priester bei den Gedächtnismessen für Zunftmitglieder blaue Messkleider trugen.

Mysteriöser wird's beim Blausein, das sich nach reichlichem Alkoholgenuss einstellt. Hier ist man sich nicht ganz sicher, ob dies vom Blausehen, dem Schwindelgefühl kommt (französisch spricht man davon, dass jemand "noir", also schwarz, sei, wenn er nach unserem Dafürhalten blau ist.) Während man das Blaumachen in der Regel mit angenehmen Vorstellungen verbindet, gibt es auch etliche unangenehme blaue Wortkonstruktionen: Blaubart, Blausäure oder das abwertende Blaustrumpf für eine sich unweiblich gebende, intellektuelle Frau. Wenn man nur blauäugig genug ist, wird man über diese unangenehmen Blau-Assoziationen aber ganz entspannt hinwegsehen. (win, 6.6.2015)

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