Ein Job für Darabos

Kommentar5. Juni 2015, 13:30
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Die Wendigkeit des SPÖ-Bundesgeschäftsführers muss belohnt werden

Als Bundesgeschäftsführer der SPÖ darf man offenbar kein Rückgrat haben, das gehört zur Jobdescription und wird dementsprechend gut bezahlt. Norbert Darabos musste schon so manchen Kurswechsel in der Partei nachvollziehen, gutheißen und argumentieren – egal jetzt, wem gerade nach einem Schwenk zumute war, ob Parteichef Werner Faymann, Wiens Bürgermeister Michael Häupl oder Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl. Darabos hat mehrere Herren, denen er nach dem Mund reden muss – eine Kunst, die maximale Situationselastizität erfordert.

Dass sich aber ausgerechnet Darabos – der zuletzt eine rot-blaue Koalition im Burgenland für ein "gelungenes Experiment" halten musste, mit dem er persönlich gar kein Problem habe, obwohl das mehreren Parteitagsbeschlüssen widerspricht und nicht die Linie der SPÖ sein kann – jetzt bemüßigt fühlt, Hannes Androsch, der im STANDARD Kritik an der Parteiführung übte und von Führungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Hilflosigkeit sprach, an die "Grundsätze und Kernanliegen der Sozialdemokratie" zu erinnern, ist Chuzpe. Mehr noch: Das ist völlig absurd.

Darabos, der sich aufgrund seiner ideologischen Wendigkeit schon mit Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei konfrontiert sieht, hat jede Glaubwürdigkeit verloren, im Namen der Sozialdemokratie zu sprechen. Dass er es dennoch tut und dabei jeden Anstand über Bord wirft, muss von Parteichef und Kanzler Faymann mindestens mit einer Gehaltserhöhung belohnt werden. Der Schmerzpegel dafür, sich in dieser Situation derart der Lächerlichkeit preiszugeben, muss enorm sein. Vielleicht winkt aber auch ein Posten im Burgenland, ein Landesrat müsste für einen wie Darabos in diesem pannonischen Kabinett der ideologiebefreiten Lichtgestalten doch noch frei sein. (Michael Völker, 5.6.2015)

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