300.000 Euro Falschgeld in Wien sichergestellt, sechs Verdächtige in Haft

5. Juni 2015, 12:55
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"Blüten" zum Verkauf angeboten

Wien - Wiener Kriminalisten haben Falschgeld im Nennwert von beinahe 300.000 Euro sichergestellt und sechs Personen festgenommen. Bei ihnen handelt es sich um einen in Wien lebenden Burgenländer im Alter von 37 Jahren sowie zwei Frauen und drei Männer aus Ungarn. Die "Blüten" hätten in Wien zum Preis des halben Nennwerts den Besitzer wechseln sollen. Das gab die Polizei am Freitag bekannt.

Bei der Falschgeld-Sicherstellung handelt es sich um eine der größten seit Einführung des Euro in Österreich. Dem Landeskriminalamt Wien sei gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt ein "großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität" gelungen, hieß es in einer Aussendung.

Ermittlungen auch in Ungarn

Wo das Falschgeld hergestellt wurde, ist nach Angaben von Polizeisprecher Roman Hahslinger noch Gegenstand von Ermittlungen, die via Interpol auf Ungarn ausgedehnt wurden. Unter den Festgenommenen befinde sich der mutmaßliche Drahtzieher des gescheiterten Deals, ein 43 Jahre alter Ungar, der nahe der österreichischen Grenze wohnte.

Ins Visier der Ermittler war zunächst der Burgenländer geraten, der nach Angaben der Polizei einem Interessenten in einem Wiener Innenstadt-Cafe das Falschgeld zum Preis von 150.000 Euro zum Kauf angeboten hatte. Der potenzielle Käufer, nach Darstellung der Behörde ein Privatmann, ließ sich drei "Blüten" - einen Hunderter, einen Fünfziger und einen Zwanziger - geben, kündigte an, vor Geschäftsabschluss deren Qualität zu prüfen und ging zur Polizei.

Die Übergabe des Falschgelds wurde schließlich für Mittwoch vereinbart, statt des Interessenten erschien zum vereinten Treffpunkt am Montecuccoli-Platz in Hietzing allerdings auch getarnte Polizisten. Der 37-jährige "Verkäufer" nahm die vermeintlichen Abnehmer mit in seine Wohnung, wo er einen Koffer mit gefälschtem Geld im Nennwert von mehr als 292.000 Euro deponiert hatten.

Die Finalisierung des Geschäfts erfolgte auf eine andere Weise, als der gebürtige Burgenländer vermutet hatte: Erst wurde er festgenommen und kurz danach die drei Männer und zwei Frauen aus Ungarn. Sie kamen offenbar in der Absicht in die Wohnung, den Erlös aus dem Deal abzuholen, und liefen der Polizei damit buchstäblich in die Arme.

Bis auf den 37-Jährigen habe keiner der Verdächtigen ein Geständnis abgelegt, sagte Polizeisprecher Hahslinger. Der als Angestellter beschäftige Mann habe ausgesagt, er habe das Geschäft in Kommission abwickeln wollen. Über seine Motive machte die Polizei ebenso keine Angaben wie über die Qualität der gefälschten Banknoten.

Weitere Festnahmen wegen Falschgeldes

In diesem Jahr waren bereits in Tirol und Niederösterreich Euro-Fälschungen in größerem Umfang beschlagnahmt worden. Nach monatelangen Ermittlungen gegen eine international agierende Einbrecherbande waren Kriminalisten in Innsbruck im Jänner auf "Blüten" im Nennwert von 100.000 gestoßen und hatte drei Personen festgenommen.

Die 200- und 500-Euro-Scheine seien von sehr guter Qualität, hieß es damals. Im Februar wurde im Bezirk Mistelbach (NÖ) ein Geländewagen gestoppt, in dem Falsifikate über 50.000 Euro versteckt waren. Zwei Kuriere wurden an Ort und Stelle festgenommen, der eigentliche Geldfälscher und ein Komplize in Hamburg geschnappt.

Schaden von mehr als 460.000 Euro

Im gesamten vergangenen Jahr ist durch Falschgeld in Österreich ein Schaden von etwas mehr als 460.000 Euro entstanden - "Blüten" in diesem Gesamtwert waren in den Umlauf gebracht worden. Im Jahr 2013 hatte der Schaden noch mehr als 580.000 Euro ausgemacht. Die gut 8.000 "Blüten", die in jedem der beiden Jahre aus dem Verkehr gezogen wurden, machen einen verschwindend geringen Teil des Bargelds aus: In Österreich sind rund 500 Millionen Banknoten im Umlauf.

In völlig anderen Dimensionen spielt sich die "Blüten"-Produktion in einer der Hochburgen, nämlich im Raum Neapel ab: Carabinieri haben dort im Februar dieses Jahres gefälschte Banknoten mit einem Nennwert von 53 Millionen Euro sichergestellt. Bei einer Razzia gegen eine Fälscherorganisation in Neapel, die für die Produktion von 90 Prozent aller in Umlauf befindlichen Euro-Blüten verantwortlich sein soll, waren bereits im November vergangenen Jahres 56 Personen festgenommen worden. (APA, 5.6.2015)

  • 300.000 Euro hätten in Wien zum Preis des halben Nennwerts den Besitzer wechseln sollen.
    foto: apa/federico gambarini

    300.000 Euro hätten in Wien zum Preis des halben Nennwerts den Besitzer wechseln sollen.

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