Gemeinnützige wollen "Zinnober" entsagen

7. Juni 2015, 09:00
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Auf dem Verbandstag waren Bundes-Wohnbauoffensive und Normenflut die Themen

"Wir brauchen wieder eine Phase einer gewissen Einfachheit. Im Sinne von gediegen, aber effizient." Das betonte Karl Wurm, Obmann des Verbands der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), auf dem jüngsten Verbandstag in Klagenfurt. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft waren ins Konzerthaus gekommen, um am zweiten, medienöffentlichen Tag Wurms programmatischer Rede zu lauschen.

Diese Einfachheit sollte sich nicht zuletzt auch beim Schaffen von Gemeinschaftsflächen durchsetzen, wünscht sich Wurm. "Was da produziert wird, ist ganz gewaltig. Die Leute wollen das aber oft gar nicht."

Wohnbaupaket "praxisnah"

Die angekündigte Wohnbauoffensive der Bundesregierung samt Schaffung einer eigenen Wohnbauinvestitionsbank wurde von ihm naturgemäß begrüßt. "Jetzt wird es aber darauf ankommen, die Rahmenbedingungen für das Wohnbaupaket so praxisnah wie möglich zu gestalten, damit eine möglichst rasche Umsetzung mit den Ländern gelingt."

Die Offensive soll, wie berichtet, 30.000 zusätzliche Wohnungen schaffen und mithilfe günstiger Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB), für die der Bund haftet, Investitionen von 5,75 Milliarden Euro auslösen (inklusive 750 Millionen für Wohninfrastruktur). Der Erfolg der Aktion werde davon abhängen, ob die Projekte "nicht mit überbordenden bautechnischen Auflagen und zeitintensiven bürokratischen Verfahren" beziehungsweise "dem ganzen Zinnober", der der Wohnbauförderung üblicherweise anhaftet, "überfrachtet werden", so Wurm wörtlich. "Dann ist die ganze Aktion sinnlos."

Szenenapplaus bekam der GBV-Obmann, als er sich laustark darüber beschwerte, dass im Kampf gegen die "überbordende Normenflut", die das Bauen in den vergangenen Jahren immer teurer machte, bisher "nix passiert" sei. "Das Normungsinstitut ist weiterhin ein frei schwebender Verein, wo nichts herausschaut. Liebe Politik: Wie lange schaut ihr da noch zu?", fragte Wurm rhetorisch und kündigte diesbezüglich eine baldige gemeinsame Aktion mit dem deutschen Schwesterverband GdW an. "Dort gibt es dieselben Probleme, die Neubaukosten sind um 40 Prozent gestiegen."

"Mehr Mut" beim Bauland

Und noch etwas betonte Wurm: "Ohne kostengünstige Grundstücke bleibt das Wohnbauprogramm auf der Strecke." Er verwies auf fehlende baulandmobilisierende Aktivitäten in Bund und Land und forderte "mehr Mut" beim Ausprobieren der verfügbaren Instrumente wie Baulandbefristung, Vertragsraumordnung und Schaffung von Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau. "Politische Bekenntnisse zur Grundstücksbeschaffung, wie sie im Regierungsprogramm zu finden sind, sind zwar erfreulich, reichen aber nicht." (Martin Putschögl, 7.6.2015)

  • Die "überbordende Normenflut" habe das Bauen in den vergangenen Jahren immer teurer gemacht, klagte der GBV-Obmann.
    foto: apa/dpa

    Die "überbordende Normenflut" habe das Bauen in den vergangenen Jahren immer teurer gemacht, klagte der GBV-Obmann.

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