Österreicher streben nach Führungsjobs

5. Juni 2015, 11:52
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Umfrage: Studierende wollen mittelfristig nach oben, und: je länger die Leute im Job sind, desto attraktiver erscheint eine Chefrolle. Gewechselt wird vorwiegend für mehr Geld

Zum ersten Mal hat das Beratungsunternehmen Universum in seinem Talent Research 2015 neben Studierenden auch Berufstätige befragt: Im Laufe der Karriere verändern sich die Prioritäten und das Erreichen einer Führungsposition wird immer wichtiger. Auch Arbeitgeber werden als unterschiedlich attraktiv wahrgenommen - während lokale Unternehmen wie OMV, Voestalpine oder die Oesterreichische Nationalbank bei Studierenden Plätze einbüssen mussten, stehen sie für die Berufstätigen in den Top-Rängen.

Fragt man österreichische Studierende nach ihren langfristigen Karrierezielen, sieht man eine klare Tendenz: Sie streben eine Führungsrolle an. Dieser Wunsch hat sich in den letzten Jahren verstärkt und ist bei den Wirtschaftsstudenten seit 2013 von Platz 5 auf Platz 2 der Karriereziele gestiegen, bei den Studierenden technischer Studiengänge fand der Sprung von drei Plätzen sogar innerhalb eines Jahres statt.

Das Alter macht die Leader

Dieser Wunsch spiegelt sich auch in der Realität der Berufswelt wider: Im Vergleich zu den Studierenden ist der Anteil an Berufstätigen, die dem Karriere-Profil des "Leaders" entsprechen, deutlich höher.

"Junge Talente wollen sich durch eine Führungsrolle mehr Möglichkeiten und Perspektiven in ihrer Karriere schaffen", erklärt Yves Schneuwly, Geschäftsführer von Universum Österreich. "Denn ihre größte Angst ist es, beruflich stecken zu bleiben".

Diese Erkenntnis deckt sich mit den Ergebnissen der weltweit größten Millennial-Studie von INSEAD, der Head Foundation und Universum. Während eine Führungsrolle im Laufe der Karriere immer wichtiger wird, verlieren andere Aspekte jedoch an Gewicht. So steht eine internationale Karriere bei Wirtschaftsstudenten hoch im Kurs, verliert jedoch bei den Berufstätigen an Attraktivität.

Realitäts-Check

"Die Ergebnisse der Studierenden im Vergleich mit den Professionals zeigen, dass in der Berufswelt ein Realitäts-Check stattfindet, bei dem Erwartungen und Prioritäten neu überdacht werden", so Schneuwly. Dies spiegelt sich auch in der Bewertung von so genannten "weichen" Kriterien wider: Den Professionals sind flexible Arbeitsbedingungen wichtiger als den Studierenden und auch die Work-Life Balance hat einen höheren Stellenwert.

Zwar ist die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben auch bei den Studierenden das langfristige Karriereziel Nummer eins, prozentual gesehen hat das Ziel aber den niedrigsten Wert seit 2008 erreicht.

In einem Punkt sind sich Studierende und Berufstätige aber einig: Der Lohn muss stimmen. Ein attraktives Gehalt ist bei den Studierenden mit technischem Hintergrund sogar noch wichtiger als bei Wirtschaftsstudenten, bei Frauen gehört es zu den drei wichtigsten Attributen eines attraktiven Arbeitgebers und bei Männern stehen finanzielle Anreize gar auf Platz eins.

Bezahlung muss als fair empfunden sein

Die finanzielle Anerkennung von Leistung ist Studierenden wie Professionals sehr wichtig und ein Jobwechsel findet dieser Umfrage zufolge bei den Berufstätigen in erster Linie aus finanziellen Gründen statt.

Der Wunsch die Stelle zu wechseln, ist bei den Professionals außerordentlich hoch: Ein Drittel der Berufstätigen mit wirtschaftlichem Hintergrund will die Stelle innerhalb des kommenden Jahres wechseln, 21 Prozent sogar innerhalb der nächsten sechs Monate. Viele lassen diesem Wunsch auch Taten folgen: Fast die Hälfte hat sich innerhalb des letzten Jahres extern beworben, 19 Prozent den Job auch schon gewechselt.

Die Liste der beliebtesten Arbeitgeber von Professionals unterscheidet sich dabei kaum von denen der Studierenden: Unternehmen wie Red Bull, Google und Vertreter der Automobilindustrie wie Audi, Porsche oder BMW führen bei beiden Gruppen die Top-Plätze an. "Diese Unternehmen wecken Emotionen und sind daher bei Studierenden und Berufstätigen gleichermassen beliebt", fasst Yves Schneuwly die Ergebnisse des Rankings zusammen. Stark positionieren konnten sich bei den Wirtschaftsstudenten auch Firmen aus dem Handel wie Peek & Cloppenburg (Platz 22), Hofer (Platz 24) und Rewe (Platz 33). (kbau, 5.6.2015)

  • Karriereziel Nummer 1 ist eine Balance von Arbeit & Leben - ein oberer Platz in der Hierarchie wird aber gleich danach sehr wichtig
    foto: istock

    Karriereziel Nummer 1 ist eine Balance von Arbeit & Leben - ein oberer Platz in der Hierarchie wird aber gleich danach sehr wichtig

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