Ferdinand Penker: Liniendurchpflügt und vom Strich aufgewühlt

5. Juni 2015, 17:43
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Erste Wiener Personale des 2014 verstorbenen Künstlers in der Galerie nächst St. Stephan

Über seine jahrzehntelange persönliche Freundschaft zu Ferdinand Penker sprach Joanneum-Chef Peter Pakesch bei der Eröffnung in der Wiener Galerie nächst St. Stephan. Er sprach über einen, der minimalistisch arbeitete, ohne Minimalist zu sein; erläuterte konzis Penkers künstlerische Untersuchungen an der Schnittstelle zur Architektur und hob dessen auch international singuläre Bedeutung hervor.

Bleibt bei dieser sehr klugen Analyse nur die bittere Frage, warum der Museumsdirektor dieser tatsächlich außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit nicht schon zu Lebzeiten zu der ihr zustehenden Aufmerksamkeit und Anerkennung verholfen hat. Künstler und Werk hätten es verdient. Tatsächlich wird der im Juni 2014 verstorbene Maler, abgesehen von kleineren Co-Präsentationen, erstmals in einer umfangreichen Personale in Wien präsentiert: kein ungewöhnliches Schicksal im kleinen Kunstland Österreich, das mitunter lieber auf große Namen denn auf (noch unbekannte) Qualität setzt.

Zwischenbericht, nicht Rückblick

Wie dem auch sei: Gemeinsam mit Dor Leitner-Penker, der Witwe des Künstlers, hat Rosemarie Schwarzwälder mit großer Feinfühligkeit und Präzision Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden ausgewählt und seine von Linien durchpflügte, von Pinselstrichen aufgewühlte, oft serielle Malerei, seine asketischen, exakten Radierungen auf Bütten, bleichfarbene Aquarelle und wie flüchtig hingeworfene, feinnervige Bleistiftzeichnungen zu einer würdigen Hommage arrangiert. Es ist kein wehmütiger Rückblick, sondern ein erfrischender Atelier-Zwischenbericht, auf den, so will man hoffen, noch viele weitere folgen sollten.

Bereits zu ebener Erde, von außen sichtbar, Penkers Skulpturarchitekturen in dem für ihn so typischen Blassblau. In den Galerieräumen zeigt man die Vielfältigkeit und Tiefe, die er der Monochromie abringen konnte. Die frühesten Arbeiten - Tusche auf Papier - stammen von 1971, das jüngste Werk - Tempera auf Leinwand und Sperrholz - von 2011. Viele Arbeiten blieben ohne Titel, eine auch in der Ausstellung zentrale Serie aus dem Jahr 1993 nannte er hingegen Die Identität des Vorhandenen.

Unzählige Pinselschläge

Malen als Lebens- und Forschungsprozess: Vielleicht war es ja das Medizinstudium, das er begann, ehe ihn Josef Albers, Meister der Minimal und Concept Art, in die Relativität des Sehens unterwies, weshalb er mit fast wissenschaftlicher Präzision die Grundfragen der Malerei untersuchte: die Spannung zwischen Fläche, Raum. Der 1950 in Klagenfurt geborene Künstler experimentierte mit Materialien, malte mit Tempera und in Öl, verwendete rostenden Stahl als Bildträger, arbeitete auf Packpapier, Sperrholz, Leinwand, Bütten.

Gerade bei seinen großflächigen Gemälden sieht man, dass er und wie er immer und immer wieder den Pinsel neu ansetzte, Kontraste, feine Strukturen schuf. "Penker", erläutert der Kunsttheoretiker Stephan Schmidt-Wulffen, "baut seine Bildoberflächen aus unzähligen kleinen Pinselschlägen auf." (Andrea Schurian, Album, 5.6.2015)

Galerie nächst St. Stephan, Grünangergasse 1, 1010 Wien, bis 27.6.

  • Die Farbe variiert kaum, allein mit dem Pinsel schuf Ferdinand Penker solch spannungsvoll-bewegte Oberflächen: Ohne Titel (1989).
    foto: markus wörgötter, galerie nächst st. stephan

    Die Farbe variiert kaum, allein mit dem Pinsel schuf Ferdinand Penker solch spannungsvoll-bewegte Oberflächen: Ohne Titel (1989).

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