Hans Schabus: Selbstfindungstrip im Café Hansi

5. Juni 2015, 17:46
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Unter dem Titel "Autopsie mit Hubwagen" zeigt der Künstler in der Wiener Galerie Engholm seine schräge "Hans"-Sammlung und lädt jeden Mittwoch zum Cocktailtrinken ein

Kreative zeichnen Sterne, Egomanen ihren Namen" - das war in aller Kürze das Ergebnis einer psychologischen Studie, in der man Nebenbei-Kritzeleien auswertete.

In der aktuellen Ausstellung von Hans Schabus in der Galerie Kerstin Engholm tritt diese Selbsteingenommenheit allerdings hinter eine gehörige Portion Ironie und den Kleinmädchencharme des Projekts zurück.

Schließlich spielt auf der Suche nach der eigenen Identität der Vorname eine sehr wichtige Rolle, da man aus diesem unweigerlich Schlüsse über die Eigenschaften des Trägers zieht.

Offenbar daran gewöhnt, dass hierzulande auch Kanarienvögel ganz gerne mal "Hansi" heißen, schreckte der 1970 in Kärnten geborene Künstler in Bezug auf seinen Namen jedenfalls nicht vor Peinlichkeiten zurück: Betritt man die Galerie, trifft man auf eine raumfüllende Holzkonstruktion (den Hubwagen), die mit Plakaten, Notenblättern, Alltagsgegenständen und einer Reihe von Schildern übersät ist.

Vom Keks bis zum Schlagerstar

Kleinster gemeinsamer Nenner der durchaus etwas "dada" anmutenden Sammlung ist die Buchstabenfolge "Hans", die man dort auf Kekspackungen und Bierflaschen, einem Kinderrad, im Logo einer deutschen Fluggesellschaft, als Titel von Liedern oder Märchen - und nicht zuletzt auf ei-nem Konzertplakat des volkstümlichen Schlagerstars Hinterseer findet.

Dabei hat man den Namen "Hans" in Verbindung mit Schabus bislang eher mit Ausflügen in ganz andere Gefilde gebracht: 2003 hat er etwa zu einer Bootsfahrt in das Wiener Kanalsystem eingeladen, ein Jahr später das Kunsthaus Bregenz geflutet und 2005 den österreichischen Pavillon bei der Biennale Venedig bespielt - oder vielmehr mit einem Berg überbaut. Er absolvierte u. a. zwei Personalen in der Simon Preston Gallery in New York und kontrastierte 2012 die moderne Transparenz des 21er-Hauses mit schweren Baumstämmen. Hansi Hinterseer würde zu den Bäumen aus der Provinz schon fast wieder passen.

Aber wie so oft bei Schabus ist es nun in der Galerie ein cool-minimalistisches Innen, das das "rustikalere" Außen erst komplettiert: Jeden Mittwoch um 19 Uhr öffnet der Künstler höchstpersönlich die hölzernen Pforten und lädt ein in ein glamouröses Ambiente, wo er Drinks aus selbstdesignten Gefäßen serviert. Diese Verwandlung des Ausstellungsraums in eine Bar (einer der Vorreiter war Rirkrit Tiravanija) ist nun an sich nicht mehr ganz neu.

Dem gelernten Bildhauer scheint es aber auch vielmehr um Fragen des Volumens zu gehen, um den Gegensatz zwischen innen und außen sowie den Unterschied zwischen öffentlich und einem scheinbaren Privaten.

Denn schließlich kriegt man von der Künstlerpersönlichkeit gar nicht so viel mit: Das Gesamtbild - vom Chansonliebhaber über den Märchenonkel bis zum Nazi-Offizier Hans Landa - wirkt fast ein bisschen schizo, wäre da nicht die durchaus amüsante, selbstironische Komponente, die dem Ganzen etwas von einer Persiflage auf den im Internet grassierenden Ich-Kult gibt. Irgendwann hat Schabus das Egofieber aber offenbar doch noch gepackt. Zumindest lässt das eine Serie weißer Blätter vermuten, auf denen er seinen Namen von allen präsentierten Quellen noch einmal 1:1 abgepaust hat. (Christa Benzer, Album, 5.6.2015)

Kerstin Engholm Galerie, Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien, bis 16.6.

  • Von außen gibt sich Hans Schabus' neue Arbeit den Anschein eines kompakten  Mobile-Home samt Fußabstreifer, im Inneren entpuppt sich die Skulptur als  schimmernd-schicke Bar, an der der Künstler jeden Mittwoch Getränke ausschenkt:  "Autopsie mit Hubwagen" in der Galerie Kerstin Engholm in Wien.
    foto: stefan lux, galerie kerstin engholm

    Von außen gibt sich Hans Schabus' neue Arbeit den Anschein eines kompakten Mobile-Home samt Fußabstreifer, im Inneren entpuppt sich die Skulptur als schimmernd-schicke Bar, an der der Künstler jeden Mittwoch Getränke ausschenkt: "Autopsie mit Hubwagen" in der Galerie Kerstin Engholm in Wien.

  • ... im Inneren entpuppt sich die Skulptur als schimmernd-schicke Bar, an der der Künstler jeden Mittwoch Getränke ausschenkt: "Autopsie mit Hubwagen" in der Galerie Kerstin Engholm in Wien.
    foto: stefan lux, galerie kerstin engholm

    ... im Inneren entpuppt sich die Skulptur als schimmernd-schicke Bar, an der der Künstler jeden Mittwoch Getränke ausschenkt: "Autopsie mit Hubwagen" in der Galerie Kerstin Engholm in Wien.

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