Aktionäre stimmen über Bene-Schicksal ab

5. Juni 2015, 09:16
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HV am Montag entscheidet über Einstieg der Investoren Grossnigg und Bartenstein, Nach 225 Jahren in Familienbesitz sollen Fremde das Ruder übernehmen

Wien/Waidhofen a.d. Ybbs - Die Aktionäre des Büromöbelherstellers Bene entscheiden kommenden Montag in einer zukunftsweisenden außerordentlichen Hauptversammlung (HV) über das Schicksal des Traditionsunternehmens. Ihr Okay ist notwendig, um dem Sanierer Erhard Grossnigg sowie Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein den Einstieg bei Bene zu ermöglichen. Nach 225 Jahren in Familienbesitz hätten erstmals Fremde das Sagen.

Auf der HV-Tagesordnung stehen eine Kapitalherabsetzung bei gleichzeitiger Kapitalzufuhr, außerdem soll der Aufsichtsrat ausgetauscht und um eine Person reduziert werden. Sowohl Neo-Eigentümer Grossnigg als auch Bene-Chef Rudolf Payer haben bereits klargemacht, dass Bene ohne Einstieg der Investoren pleite ist.

"Eine Verhinderung der Beteiligung des Investors führte zur Insolvenz der Gesellschaft. Dies hätte zur Folge, dass die Bene-Aktien keinen Wert mehr hätten und sich die Aktionäre in einer noch schlechteren wirtschaftlichen Situation befänden als durch den Bezugsrechtsausschluss", schreibt der Vorstand als Erläuterung zur HV. "Wenn es die Zustimmung der Aktionäre im Juni nicht gibt, geht Bene in Konkurs. Das ist schlicht und einfach der Fall", sagte Grossnigg kürzlich.

Noch gehört Bene zu 42,5 Prozent der Bene Privatstiftung, hinter der als Stifter die Familie Bene steht. 57,5 Prozent befinden sich im Streubesitz. Ihnen winkt als Abfindung sechs bis acht Cent je Aktie. Zwar ist das Bene-Papier derzeit nicht einmal mehr 20 Cent wert, allerdings zahlten viele Aktionäre einst mehrere Euro pro Aktie. 2006 ging Bene zu einem Preis von 5,50 Euro/Aktie an die Börse. Zu seinen besten Zeiten war das Papier über 7 Euro wert.

Widerstand zu erwarten

Die geringe Abfindung für die Kleinaktionäre ruft Anlegerschützer Wilhelm Rasinger auf den Plan, dem angesichts eines solchen Angebots das "G'impfte aufgeht". Es ist jedenfalls mit Widerstand bei der Hauptversammlung zu rechnen.

Laut Einladung zur Hauptversammlung ist nun folgendes geplant: Das Grundkapital soll von derzeit 24,3 auf 1,9 Mio. Euro herabgesetzt werden. Dies soll geschehen, indem jeweils 25 bestehende Stammaktien zu zwei zusammengelegt werden. Zugleich wollen die Investoren 18 Mio. Euro an frischem Kapital zuführen, die in neuen Aktien zu einem Preis von 1 Euro je Stück ausgegeben werden.

Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen Wahlen in den Aufsichtsrat. Der derzeitige Aufsichtsrat soll von fünf auf vier Personen gekürzt und komplett ausgetauscht werden. Als neue Mitglieder werden Martin Bartenstein, Peter Funder, Alexander Isola und Michael Schur vorgeschlagen. Derzeit besteht das Kontrollgremium aus Manfred Bene (Vorsitzender), Armenak Utudijan (Stellvertreter), Andreas Bierwirth, Andrea Gaal und Gerhard Peller. Als Arbeitnehmervertreter sitzen noch Martin Hönickl, Reinhard Gleiss und Brigitte Spitzer im Aufsichtsrat.

Abstieg mit Finanzkrise

Bene wurde 1790 als Familientischlerei gegründet. Ab den 1950er-Jahren spezialisierte sich die Firma auf Büromöbel. Noch heute sind der Hauptsitz und die Produktion von Bene in Waidhofen an der Ybbs (NÖ). 2006 erfolgte als weiterer Meilenstein der Börsengang. Mit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 ging es für Bene steil bergab. Das Unternehmen fuhr Verluste ein, baute Personal ab und setzte die Dividende aus. 2012 zog der Aufsichtsrat die Bremse und tauschte nach anhaltenden Verlusten den Vorstand aus.

Bene holte den Sanierer Rudolf Payer als neuen Finanzchef. Der 55-Jährige war an der dramatischen Sanierung des Feuerfestprodukte-Herstellers RHI maßgeblich beteiligt. Payer schloss unrentable Standorte, baute den Vertrieb um und hunderte Mitarbeiter ab. Erst im April 2015 gab Bene erneut bekannt, 127 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet zu haben sowie international 29 Arbeitsplätze zu streichen. Nach dem Abbau wird Bene 850 Personen beschäftigen, rund 600 davon in Österreich. Zum Zeitpunkt des Börsengangs im Jahr 2006 beschäftigte Bene weltweit noch rund 1.200 Mitarbeiter, davon 900 in Österreich. (APA, 5.6.2015)

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