Hossam Mahmouds "Tahrir": Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit

5. Juni 2015, 06:21
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Opern-Uraufführung am Salzburger Landestheater

Salzburg - Er kommentiert die politischen Entwicklungen in Ägypten mit seiner Musik: Der in Kairo geborene Komponist Hossam Mahmoud hat in seiner Heimatstadt orientalische und europäische Musik und Musikpädagogik studiert, danach Komposition in Graz und Salzburg - und dies unter anderem auch bei Beat Furrer. Seit dem Jahre 1990 lebt Hossam Mahmoud in Österreich, und er hat alle Musikpreise von Stadt und Land Salzburg und 2014 auch den ersten Kompositionsauftrag von den Salzburger Festspielen erhalten.

Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit: Das Bekenntnishafte steht, wie schon in der im Jahre 2013 uraufgeführten Revolutionsoper 18 Tage ..., im Mittelpunkt auch seines jüngsten musiktheatralen Werks: Tahrir. Eine Oper in sieben Bildern zum Nachdenken wurde vom Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Dirigentin Mirga Grazinyte-Tyla, der Musikdirektorin des Landestheaters Salzburg ab der Spielzeit 2015/16, uraufgeführt. Regie führt die türkische Regisseurin Yekta Kara, Chefregisseurin der Staatsoper Istanbul.

Arabische Lyrik

Dass Hossam Mahmoud mehr sein will als "nur" ein Kommentator der oft sehr dramatischen tagespolitischen Ereignisse, mehr sein will als quasi das im Exil komponierende Gewissen des Landes Ägypten, dies wird in der Oper Tahrir vor allem auch durch einen stark spürbaren Willen zur Abstraktion deutlich. Hossam Mahmoud schreibt seine Libretti ja selbst, und er greift dabei immer auch auf alte arabische Lyrik zurück, etwa die Worte des Sufi-Meisters Mansur Al-Hallag, der im fernen Jahr 922 als Märtyrer gestorben ist.

Ein Märtyrer ist auch der "Sohn", der gleich zu Beginn der Oper stirbt und als Stimme aus dem Off die "Mutter" bestärkt, den Kampf weiterzuführen. Die junge Ehefrau "Sahr" und "ihr Mann", ein machthungriger Politiker, sind die weiteren Protagonisten des Werkes. Die "Moderatorin" - es ist eine Sprechrolle - verbreitet Propaganda.

Man hört es genau: Komponist Hossam Mahmoud gebietet über eine eigenständige, vielseitige Tonsprache, die nämlich gleichberechtigt auf den "Vokabeln" der westlichen wie der arabischen Musik basiert. Seine Chorsätze - und der Chor spielt in Tahrir eine durchaus zentrale Rolle - erinnern in ihrer klanglichen Opulenz für Augenblicke immer wieder an romantische Chormusik, ohne dass sich dies allerdings im harmonischen Bereich auch festmachen ließe.

Nie plakativ

Die Vermutung drängt sich auf: Es mag dem klugen Einsatz etwa von Vierteltonschritten und Teilen arabischer Tonskalen geschuldet sein. Der Sound mutet - dann ebenfalls nur für Augenblicke - "arabisch" an, ohne allerdings plakativ und also exotisch zu werden. Hervorragend wie Chor und Extrachor des Landestheaters Salzburg und das Mozarteumorchester in kleiner Ensemblebesetzung sind in Tahrir denn auch die Gesangssolisten.

Frances Pappas gibt die Mutter technisch souverän, durchaus auch textdeutlich und darstellerisch zurückhaltend. Ilker Arcayürek wiederum, als der Sohn, singt seine Ermunterungen an die Hinterbliebenen mit großer Strahlkraft. Und Giulio Alvise Caselli singt, in den Vokalen zu dunkel, den Politiker.

Laura Nicorescu verleiht sei- ner Ehefrau eine klar strahlende Stimme. Diese Partie ist am deutlichsten mehr als nur der Träger einer abstrakten Botschaft. Zudem: Beatrix Doderer ist eine hervorragend "typische" TV-Moderatorin, die mit Lust und Chuzpe beliebige Wahrheiten verbreitet. (Heidemarie Klabacher, 5.6.2015)

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