Das Epizentrum im Südburgenland

4. Juni 2015, 19:08
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Die Güssing Knights sind erneut Meister im Basketball geworden, der Gegner aus der Hauptstadt war ziemlich chancenlos. Der Verein wird familiär geführt, die Infrastruktur lässt Wünsche offen

Güssing - Der Meister im österreichischen Basketball kommt neuerlich aus dem Südburgenland, und das hat mit Zufall oder Glück absolut nichts zu tun. Die Güssing Knights setzten sich im vierten Spiel der Finalserie der Bundesliga (ABL) gegen den BC Vienna mit 73:66 durch, gewannen 3:1, verteidigten auf souveräne Art und Weise ihren Titel aus dem Vorjahr. Dazu geigte man heuer auch im Europacup ziemlich auf.

"Wir ernten jetzt, was wir über Jahre gesät haben", sagt Reinhard Koch, Güssings Obmann. Anfang der Nullerjahre, als Güssing noch ein Amateurverein in der Landesliga war, wurden die Söhne ehemals aktiver burgenländischer Korbjäger zum Spielen motiviert. Der Durchmarsch in die Bundesliga gelang rasch, auch wenn man dort anfänglich nur im Tabellenkeller grundelte. Entsprungen sind dafür österreichische Nationalteamspieler. Eine weitere Zutat für das Erfolgsrezept ist die Integration der US-Legionäre. Tragende Säulen wie Travis Taylor, der auch zum besten Spieler der Liga gewählt wurde, oder Marcus Heard, leben in Großmürbisch bei Güssing. "Und sie sind mittlerweile auch echte Großmürbischer geworden", sagt Koch. Ein Verein wie eine Familie.

Im Mittelfeld

Güssing, eine 4000-Einwohner-Gemeinde, verdiente sich den Meisterpokal mit einem Budget von weniger als einer Million Euro, damit liegt man etatmäßig nur im Mittelfeld der Bundesliga. "Und es wird in Zukunft auch nicht viel mehr werden. Güssing hat wenige Wirtschaftsbetriebe."

Schmucke Basketballhallen sind im ganzen Land ebenfalls rar. Da macht Güssing keine Ausnahme. Der Aktivpark fungiert als Heimstätte, ist aber als Hotel und Sportzentrum seit fast zwei Jahren geschlossen. Koch will das Hotel pachten und es zu einem internationalen Ballsport-Trainingszentrum machen. Dies scheiterte jedoch bisher daran, dass sich der Eigentümer, eine Wiener Immobilienfirma, und die Stadtgemeinde nicht auf einen Kaufpreis einigen konnten. Im österreichischen Basketball dauert alles etwas länger.

Zuspruch

Dem BC bleibt zwar nur Platz zwei, mit dem Budocenter wurde aber immerhin eine Heimstätte gefunden, in die in der Finalserie 3000 Zuschauer pilgerten. Kapitän Stjepan Stazic ist "nicht unzufrieden mit dieser Saison", für die nächste Spielzeit "wird die Mannschaft aber frisches Blut brauchen."

Reinhard Koch (55) ist seit fast 30 Jahren der Steuermann in Güssing. "Basketball ist an der Schwelle von der Semi- zur Professionalität. Hoffentlich tut sich auch sportpolitisch endlich etwas." (Florian Vetter, 5.6.2015)

  • Den Güssingern Christopher Dunn und Marcus Heard (in Weiß) konnten die  Wiener nichts entgegensetzen, also wurde die Finalserie mit 1:3  verloren. Die Burgenländer haben mit einem niedrigen Budget den Titel  geholt.

    Den Güssingern Christopher Dunn und Marcus Heard (in Weiß) konnten die Wiener nichts entgegensetzen, also wurde die Finalserie mit 1:3 verloren. Die Burgenländer haben mit einem niedrigen Budget den Titel geholt.

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