Leopold Museum: Mit Bildbeschreibung zum Direktor

4. Juni 2015, 16:55
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Im Herbst tritt das neue Leitungsduo seinen vorerst auf fünf Jahre befristeten Dienst an: Gabriele Langer wird kaufmännische Direktorin, Hans-Peter Wipplinger museologischer Leiter

Wien - Manch einer der museologischen Finalisten muss sich am Montag dieser Woche in seine Schulzeit zurückkatapultiert gefühlt haben, zumindest legt das die Schilderung Betroffener nahe. Namentlich möchte man nicht genannt werden, diese Episode sei peinlich genug. Die Staffelei samt dem darauf positionierten Bild hatte man beim Betreten des Raums allenfalls registriert, sich auf die Begrüßung der Vorstandsmitglieder des Leopold-Museums und das folgende Hearing konzentriert. Allein, die Prüfungsaufgabe lauerte unbarmherzig. So, und jetzt gehen Sie bitte dorthin und beschreiben uns dieses Bild.

Bildbeschreibung beim Hearing

Ernsthaft? - Das mögen sich die Kandidaten gefragt haben, deren Lebensläufe mit anerkennenswerten Publikationen und Projekten gespickt waren. Ein Moment des Zögerns, dann legte man los. Kaum war dies überstanden, setzte Elisabeth Leopold nach: Bitte erläutern Sie die Unterschiede zwischen Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele. Als "demütigendes Maturaniveau" bezeichnen es Bewerber. Ob den Kaufmännern Vergleichbares in Form von Excel-Aufgaben widerfuhr, ist nicht bekannt. Einerlei.

19 Frauen und 49 Männer hatten sich beworben, für die kaufmännische Direktion 48 Personen, für die museologische 20. Zu den Hearings traten je elf Kandidaten an, je fünf standen in der Vorstandssitzung am Mittwoch noch zur Diskussion. Es setzten sich Hans-Peter Wipplinger und Gabriele Langer durch. Verlautbart wurde die Entscheidung am frühen Abend via Austria Presse Agentur, der eine Aussendung des Museums folgte. Die aus dem Rennen Geworfenen erfuhren es über die Medien. Kein Anruf, keine Mail, keine SMS aus den Reihen des Vorstands oder des Museums. Eine Absage aus Respekt, wenn schon nicht Höflichkeit? Fehlanzeige. Führungskräften blieb verwehrt, was bei Praktikanten üblich ist.

Finanzprobleme im Haus

Jetzt geht es um die Zukunft. Die kaufmännische wurde Gabriele Langer überantwortet, seit 2013 war sie Assistentin des scheidenden Peter Weinhäupl und für Controlling und Rechnungswesen zuständig. Eine Funktion, die die 48-jährige Fachhochschulabsolventin (Finanz-, Steuer- und Rechnungswesen) einst am Kunsthistorischen Museum innehatte, wo sie bis zur kaufmännischen Direktorin aufstieg. Als man dem damaligen Generaldirektor Wilfried Seipel 2007 Paul Frey als Geschäftsführer zur Seite stellte, räumte sie das Feld.

Ihre Aufgabe wird die Verbesserung der stets als bestandsgefährdend monierten finanziellen Situation des Hauses sein. Die jüngste Erhöhung der öffentlichen Subvention auf 3,3 Millionen Euro (inkl. Mietzuschusses) sei zu wenig, mindestens vier müssten es laut Diethard Leopold sein, schon um Kredite abzubauen.

Zuletzt hatten Budgetlöcher für Diskussionen gesorgt, die über zweckgewidmete Rücklagen für Restitutionsvergleiche gestopft wurden. Laut Juristen eine stiftungsrechtswidrige Handhabung, die zu einer parlamentarischen Anfrage der Grünen führte. Dem Ministerium hatte der Stiftungsvorstand dies als ein wirtschaftlich korrektes und sinnvolles Finanzierungsmodell verkauft. Ob die von Juristen empfohlene Rückabwicklung erfolgte, ist seither nicht in Erfahrung zu bringen.

Teamplayer gefragt

Dass sich Mitglieder der Familie Leopold immer wieder als Kuratoren betätigen, ist weniger Sparmaßnahme als Alltag. Der neue museologische Direktor sollte also konsensfähig sein, eher ein Teamplayer als ein Experte. Zu den Finalisten hatten dem Vernehmen nach Vorstandsmitglied Carl Aigner (Direktor des NÖ-Landesmuseums), Stephan Koja (Belvedere-Kurator) oder Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger gehört. Dass man sich für Hans-Peter Wipplinger entschied, mag manche überrascht haben.

Die für kommende Woche anberaumte Vertragsverlängerung des 47-Jährigen als Leiter der Kunsthalle Krems (seit 2009) hat sich damit erledigt. Inhaltliche Einmischungen duldete er womöglich nur bedingt. Als Direktor des Museums Moderner Kunst Passau Stiftung Wörlen (2003-2007) tat er es jedenfalls nicht. Nach wiederholter Kritik an der zu experimentellen Ausrichtung endete seine Ära dort mit einem teils öffentlich ausgetragenen Zerwürfnis mit dem Stiftungsvorstand Hanns Egon Wörlen. (Olga Kronsteiner, 4.6.2015)

Hans-Peter Wipplinger:
Ein Netzwerker ohne Exzentrik

  • Neben dem Ausstellungsbetrieb gehören im Leopold-Museum finanzielle Probleme, die Lösung von Restitutionsfragen und die von Familie Leopold erhoffte Integration der Sammlung II zum Alltag.
    foto: apa/roland schlager

    Neben dem Ausstellungsbetrieb gehören im Leopold-Museum finanzielle Probleme, die Lösung von Restitutionsfragen und die von Familie Leopold erhoffte Integration der Sammlung II zum Alltag.

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