Frankreichs Atomriese Areva wird aufgespalten

4. Juni 2015, 15:05
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Frankreichs angeschlagener Atomkonzern hat massive Probleme, der Staat muss ihm mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen

Paris - Angesichts massiver Finanzprobleme wird der französische Atomriese Areva aufgespalten: Der staatliche Stromkonzern EDF wird die Mehrheit des Atomreaktor-Geschäfts von Areva übernehmen. Der Staat will Areva zudem mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen, wie die Regierung in Paris ankündigte.

Damit wird das bisherige Areva-Modell beendet, das eine Geschäftstätigkeit vom Uranabbau über den Reaktorbau bis hin zur Wiederaufarbeitung von Brennstäben umfasste.

Die Entscheidung zur Aufspaltung von Areva fiel am Mittwoch bei einem Spitzentreffen im Elysee-Palast mit Präsident Francois Hollande, Premierminister Manuel Valls und den vier betroffenen Ministern. Am Abend gab der Elysee-Palast dann die Entscheidung zur Übernahme des Reaktor-Geschäfts durch den Stromkonzern EDF bekannt: "EDF ist befähigt, Mehrheitsaktionär zu werden" bei den Areva-Reaktoraktivitäten. Areva behalte eine "strategische Beteiligung".

In der Reaktorsparte NP (Nuclear Power) von Areva, die auch die Wartung von Atomkraftwerken umfasst, sind rund 15.000 der weltweit etwa 44.000 Areva-Mitarbeiter beschäftigt. Die Gewerkschaften, die einen massiven Stellenabbau befürchten, sprachen von "Plünderung des Grabes" von Areva zugunsten des Atomkraftwerkbetreibers EDF. Sie brachten auch ihre Sorge über einen möglichen Einstieg chinesischer Investoren zum Ausdruck.

Areva und EDF, die zu jeweils 86,5 beziehungsweise 84,5 Prozent im Staatsbesitz sind, sollen die Neuordnung "binnen eines Monats" zu Ende bringen, wie der Elysee-Palast weiter mitteilte. Der Staat wiederum will "in der nötigen Höhe" dem Atomkonzern, der für das vergangene Jahr einen Verlust von fast 5 Mrd. Euro melden musste, mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen. Angaben zur Höhe wurden nicht gemacht.

EDF will Reaktorsparte

Beim künftigen Areva-Konzern werden somit die Bereiche vom Uranabbau bis zur Wiederaufarbeitung von Atom-Brennstäben bleiben. Der Stromkonzern EDF soll laut Presseberichten zwei Milliarden Euro für die Reaktorsparte angeboten haben. Areva wollte eigentlich lediglich eine begrenztere Annäherung der beiden Unternehmen beim Reaktorbau.

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hob hervor, durch die Restrukturierung solle die französische Atombranche "nachhaltig gesichert werden". Im Sender France Info wies er den Eindruck zurück, dass Areva zerschlagen werden solle. EDF und Areva, die in der Vergangenheit "zu oft" gegeneinander gearbeitet hätten, müssten international besser zusammenarbeiten. Beide müssten nun einen "echten Pakt" zustandebringen.

Umwelt- und Energieministerin Segolene Royal machte im Gespräch mit den Sendern RMC-BFMTV deutlich, dass durch den Umbau nicht nur die Finanzprobleme von Areva geregelt werden sollten. Es gehe auch darum, die französische Atomindustrie beim Export und bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu stärken. "In den nächsten Jahren wird es tausend Mal mehr Investitionen in Erneuerbare als in Atom geben", sagte sie. Frankreich will seinen Atomstromanteil, der bei 75 Prozent der Stromproduktion liegt, bis 2025 auf 50 Prozent drücken.

Als Gründe für das finanzielle Desaster bei Areva gelten neben dem international schwierigen Umfeld seit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima unter anderem andauernde Probleme mit dem neuen Europäischen Druckwasserreaktor (EPR). Darüber hinaus war der Kauf der kanadischen Minengesellschaft Uramin durch Areva im Jahr 2007 ein Fiasko und riss ein Milliardenloch auf. Die französische Justiz ermittelt in dem Zusammenhang wegen Korruptionsverdachts. (APA, 4.6.2015)

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