Als Präsident Bach kurz in Wien gastierte

4. Juni 2015, 01:00
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IOC-Chef sprach zwischen Ordensverleihung und Preisannahme über Joseph Blatter, die Fifa und sein Reformprogramm

Wien - Der Zeitplan ist eng, wenn Thomas Bach, der Welt ranghöchster Sportfunktionär zu Besuch in Österreich ist. Die Gastfreundschaft durfte am Mittwoch trotzdem nicht zu kurz kommen. Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), wollte dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein guter Gastgeber sein. Das Vorhaben dürfte gelungen sein. "Unter der Gastfreundschaft habe ich schon gelitten", sagt Thomas Bach, und greift sich auf den Bauch. 30 Minuten später als geplant tritt er vor die Medien. Das Mittagessen sei vorzüglich gewesen. "Das hatte olympische Qualität."

Der Anlass für Bachs Besuch war die Verleihung des Toleranzpreises der Europäischen Akademie der Wissenschaften an das IOC. Bach nahm ihn entgegen. "Eine ganz besondere Ehre." Ein weiterer Anlass: Die Verleihung des olympischen Ordens an Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner. Der Rücktritt eines anderen mächtigen Sportfunktionärs war nicht Anlass des Besuchs. Aber freilich Thema. Joseph Blatters Abgang müsse man mit Respekt begegnen, sagte Bach. "Ich habe die Fifa aufgefordert, voll aufzuklären." Nur so könnten die Reformen angegangen werden. Das IOC spreche aus Erfahrung. Vor 15 Jahren habe man auch mit Korruption in Bezug auf Olympia-Vergaben zu tun gehabt. Bach: "Reformen sind wichtig und notwendig für die Fifa."

Vizer-Rücktritt: "Kein großes Ereignis"

Der Rücktritt eines anderen Funktonärs bewegte den IOC-Boss weit weniger, jener von Marius Vizer, als Chef der Vereinigung internationaler Sportverbände (SportAccord) am Sonntag. Bach: "Kein großes Ereignis." Der Rumäne hatte Bach und dessen Reformprogramm "Agenda 2020" scharf attackiert. "Wir brauchen keine Kardinäle des Sports, keine Päpste. Wir brauchen faire Anführer", sagte Vizer etwa in Richtung Bach. "Vizer hat seine Meinung exklusiv vertreten", sagte der Deutsche.

Nach Bachs Wahl zum Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge im September 2013 wurde die "Agenda 2020", die etwa die Kostenreduzierung und die Transparenz im Bewerbungsprozess um Olympische Spiele beinhaltet, beschlossen. Reformen, die auch Österreich, bei eventuellen künftigen Bewerbungen um Winterspiele zu Gute kommen könnten. Allein schon wegen der vorhandenen Infrastruktur wäre, so Bach, "eine Bewerbung Österreichs um Winterspiele eine starke". Zuletzt gingen Olympische Spiele ja häufig an Städte, in denen erst viel gebaut werden musste, um das Sportereginis über die Bühne bringen zu können. Siehe Sotschi 2014. Siehe Peking 2008. Peking bewirbt sich auch um die Winterspiele 2022, wird sie am 31. Juli wahrscheinlich zugesprochen bekommen. Der einzige Konkurrent Almaty gilt als klarer Außenseiter.

Noch nicht in der Geschichte

Dazu konnte Bach nicht mehr befragt werden. Der Zeitplan war eng. Der Medientermin fiel kürzer aus, als geplant. Wie es um die Vorbereitungen für Olympia 2016 in Rio stehe, konnte ebenso nicht mehr thematisiert werden, wie die Europaspiele, die von 12. bis 28. Juni erstmals und in Baku (Aserbaidschan) ausgetragen werden.

Eines wollte Karl Stoss am Ende noch loswerden: "Bach wird als Präsident der Reformen in die Geschichte eingehen." "Schick mich noch nicht in die Geschichte", erwiderte der Gewürdigte. "Und wo geht’s jetzt hin?" Stoss: "Zum Bundespräsidenten." Der Zeitplan war eng. (Birgit Riezinger, 3.6.2015)

  • Zu Gast in Wien: IOC-Präsident Bach.
    foto: apa/hochmuth

    Zu Gast in Wien: IOC-Präsident Bach.

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