Ukrainische Armee bringt schwere Waffen an Donbass-Front zurück

3. Juni 2015, 18:42
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Fast 600 Bergarbeiter in verschütteten Minen eingeschlossen

Donezk - Mit dem blutigsten Kampftag seit Monaten sowie dem neuen Einsatz schwerer Waffen hat sich die Lage im Kriegsgebiet Ostukraine wieder verschärft. Bei Beschuss an der gesamten Frontlinie durch die ukrainische Armee seien mindestens 15 Menschen getötet worden, sagte Wladimir Kononow von den prorussischen Separatisten am Mittwoch in Donezk. Mindestens 60 Menschen seien verletzt worden.

Das Militär habe eine Offensive der Aufständischen mit schwerer Artillerie abgewehrt, die zuvor wegen des Minsker Friedensplans eigentlich ins Hinterland zurückgezogen worden war, teilte der Generalstab in Kiew mit. Die Ukraine habe ihre internationalen Partner vorher informiert.

Die kiewtreuen Gesundheitsbehörden zählten sechs verletzte Zivilisten, auch mehr als elf Regierungssoldaten wurden demnach verletzt.

OSZE dokumentierte Artilleriefeuer

Großkalibrige Geschütze sollen nach dem Friedensplan für den Donbass von Mitte Februar eigentlich von der Front abgezogen werden. Der Tagesbericht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vom 2. Juni dokumentiert bereits an diesem Tag Artilleriegefechte.

Zu Mittag feuerten kiewtreue Truppen mehrere Granaten aus schweren Geschützen ab, am Nachmittag beschossen Rebellen das Gebiet in der Nähe von Lugansk, das unter Regierungskontrolle steht.

Außerdem merkten die OSZE-Beobachter an, dass am Dienstag insgesamt sieben Mehrfachraketenwerfer vom Typ "Grad", die bis vor Kurzem auf Lagerplätzen der ukrainischen Armee gepakrt waren, verschwunden waren.

Die Armeeführung berichtete von einem Angriff der Separatisten bei der Ortschaft Marjinka westlich von Donezk um 4.00 Uhr mit rund 1.000 Kämpfern und mehreren Panzern. Militärsprecher Andrej Lyssenko in Kiew sagte, die Armee habe die Lage unter Kontrolle. Separatistensprecher Eduard Bassurin wies die Vorwürfe zurück.

Jazenjuk hofft auf G-7

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk machte Russland für die Eskalation verantwortlich. Moskau habe die Separatisten angewiesen, vor dem Gipfel sieben führender Wirtschaftsnationen auf Schloss Elmau in Bayern einen Kampfeinsatz zu starten. "Ich erwarte, dass die Weltgemeinschaft auf dem G-7-Gipfel der russischen Aggression eine richtige und angemessene Antwort gibt", sagte er bei einem Besuch auf einem Truppenübungsplatz.

Kreml-Sprecher Dmitry Peskov sprach am Mittwoch von einer Provokation durch die ukrainische Seite und gab an, Moskau sei "tief besorgt" wegen des Artilleriefeuers gegen Zivilisten.

Bergleute verschüttet

Durch den Einschlag von Geschossen bei Donezk wurden nach Darstellung der Aufständischen unterdessen hunderte Menschen in Bergwerksstollen verschüttet. Agenturen berichteten unterschiedlich zwischen 600 bis 900 eingeschlossenen Kumpeln. In beiden Anlagen fiel nach Agenturberichten der Strom nach Schusswechseln aus. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Auch die Versorgungslage im Donbass spitzt sich zu. Die Ukraine habe die Wasserleitungen zum Gebiet Luhansk (russ. Lugansk) fast komplett geschlossen, teilte der örtliche Betrieb Luhanskwoda mit. Die Aufständischen und Russland werfen der Ukraine eine Wirtschaftsblockade des abtrünnigen Donbass vor.

Die Ukraine sprach von einer Provokation und zynischer Missachtung aller Vereinbarungen. "Russland muss die Terroristen dazu bringen, das Feuer einzustellen", sagte Armeesprecher Alexander Poronjuk. Seit Beginn der Kämpfe im April 2014 sind in den Gebieten Donezk und Luhansk nach UN-Angaben mehr als 6.400 Menschen ums Leben gekommen. (APA/red, 3.6.2015)

  • Artillerieausbildung beim paramilitärischen Battalion Asow in der Nähe von Mariupol (Archivbild vom 19. Mai)
    foto: reuters/marko djurica

    Artillerieausbildung beim paramilitärischen Battalion Asow in der Nähe von Mariupol (Archivbild vom 19. Mai)

  • Ukrainische Soldaten bereiten sich vor.
    foto: ap/petro zadorozhnyy

    Ukrainische Soldaten bereiten sich vor.

  • Ein prorussischer Aufständischer nahe Donezk.
    foto: ap/mstyslav chernov

    Ein prorussischer Aufständischer nahe Donezk.

  • Dieses Geschäft im ostukrainischen Donezk wurde durch Artilleriebeschuss beschädigt
    foto: reuters/alexander ermochenko

    Dieses Geschäft im ostukrainischen Donezk wurde durch Artilleriebeschuss beschädigt

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