Ägyptischer Handwerker wurde versehentlich "König der Google-Suche"

4. Juni 2015, 17:43
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Mehrere Tage Top-Ergebnis bei Suche nach "Google" - Algorithmus-Experiment als wahrscheinliche Ursache

Sucht man über Google nach dem Begriff "Google", so gibt es eine klare Erwartung, welche Seite bei den Ergebnissen an oberster Stelle steht: Googles Startseite. Für Nutzer in Ägypten war dies in den vergangenen Tagen allerdings nicht der Fall. Dort stach ein unbekannter Handwerker den IT-Konzern bei seiner eigenen Suche aus, wie Marketingexperte Eyad Nour auf Medium berichtet.

Wer auf google.com.eg oder auf google.com von einer ägyptischen IP-Adresse aus den Begriff "Google" eingab, bekam sowohl am Desktop-Browser als auch auf Mobilgeräten das Google+-Profil von Saber El-Toony angezeigt. Diese ist relativ unspektakulär und besteht großteils aus Fotos von reparierten Bestandteilen von Heiz- Belüftungs- und Klimatisierungsssystemen.

Ahnungsloser Google-König

Doch, wie sich in einem Telefongespräch mit El-Toony herausstellte, hatte der Techniker zur peripher Ahnung von seinem Glück. Er erhalte seit einigen Tagen ständig Anrufe, weil Google für ihn eine Website eingerichtet habe, meinte er. Die Leute erklärten ihm, sie riefen an, weil sie "sein Google" gesehen hätten.

Sein Google+-Auftritt, der in kurzer Zeit mehrere Millionen Aufrufe gesammelt hatte, sei so gut besucht, weil er ihn mit einer alten E-Mail-Adresse angelegt hätte. Weil sein Telefon dauernd klingle, schalte er es über Nacht nun stets aus. Nach einer Erklärung zur Google-Suche vermutete er, dass er sich vielleicht ja irgendwo verklickt habe.

Rätseln um Ursache

Die Erklärung des Mysteriums scheint freilich komplexer zu sein. Erste Vermutung von Nour war, dass die Angabe der Adresse "google.com.eg" als Homepage auf dem Google+-Profil des Handwerkers die Anomalie ausgelöst haben könnte. Allerdings wird diese mit einem "nofollow"-Tag gelistet, weswegen sie keinen Einfluss auf das Ranking haben sollte.

Kurz darauf änderten sich die Suchergebnisse. Für den Suchbegriff "Google" in arabischer Schrift – hier war El-Toonys Seite das zweite Ergebnis – tauchte plötzlich ein Fisch- und Geflügelmarkt in Kairo als Top-Treffer auf. Einen Google+-Eintrag gab es für diesen Ort nicht, auf der Informationsübersicht in Google Maps war aber auch hier als Homepage seltsamerweise "google.com.eg" vermerkt.

Algorithmus-Experiment

Die Ursache für Googles Selbstentthronung dürfte wohl ein Experiment mit dem Suchalgorithmus sein. Diese Information stammt von Abdelrahman Khalid, der nach eigenen Angaben für Google aim Bereich der Suchmaschinen-Evaluierung tätig ist. Die Sachlage habe er dem Unternehmen gemeldet. Kurz darauf war Google wieder erstgereiht für seinen eigenen Unternehmensnamen.

Kurzzeit-Berühmtheit

Saber El-Toony wurde durch den Vorfall kurzfristig zu einer Bekanntheit. Die Geschichte bahnte sich in Ägypten ihren Weg durch diverse Online-Medien, Zeitungen und sogar ins Fernsehen. Auch international wurde sie aufgegriffen, etwa von der BBC.

Der Handwerker erhielt mehrere Angebote, seine Google+-Seite zu verkaufen. Ihm wurden auch Angebote von Firmen vorgelegt, die den eigentlich wenig internet-affinen Mann als SEO-Experten (Suchmaschinen-Optimierung) engagieren wollten.

Die Offerten hat er abgelehnt. Eine Homepage scheint auf seinem Google+-Profil, das insgesamt 5,8 Millionen Besuche aufweist, nun allerdings nicht mehr auf. Ob Google diese entfernt hatte, oder es selbst damit versuchte, dem Trubel zu entkommen, ist nicht überliefert. (gpi, 04.06.2015)

Links

Medium

BBC

  • Tagelang war Saber El-Toony Ägyptens "Google-König".
    foto: saber el-toony/google+ (faksimile)

    Tagelang war Saber El-Toony Ägyptens "Google-König".

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