Grünbaum-Erben kündigen Restitutionsklage gegen Österreich an

3. Juni 2015, 12:31
7 Postings

Rund ein Dutzend Schiele-Werke aus Albertina und Leopold Museum betroffen

Wien - Die Erben des 1941 im KZ Dachau ermordeten Fritz Grünbaum wollen bei einem US-Gericht Klage gegen die Republik Österreich einreichen. Sie erheben Ansprüche auf insgesamt 14 Werke von Egon Schiele, die sich im Leopold Museums sowie der Albertina befinden. Man wolle "dem Beispiel Randolf Schoenbergs und Maria Altmanns folgen, um Gerechtigkeit für Fritz und Elisabeth Grünbaum zu erlangen".

Der Anwalt Schoenberg hatte sich vor zehn Jahren im Namen der Erben nach Bloch-Bauer für die (schließlich erfolgreiche) Rückgabe von fünf Klimt-Gemälden aus der Österreichischen Galerie Belvedere eingesetzt. Bei den von den Grünbaum-Erben geforderten Werken handelt es sich hauptsächlich um Arbeiten auf Papier, aber auch um das bereits einmal umstrittene Gemälde "Tote Stadt III", das 1998 gemeinsam mit dem "Bildnis Wally" in New York beschlagnahmt, aber im Jahr darauf an das Leopold Museum zurückgegeben worden war.

"Kein Handlungsbedarf"

Für den Vorstand der Leopold Museum Privatstiftung verwies Anwalt Andreas Nödl gegenüber der APA auf die 2010 erfolgte Entscheidung der sogenannten Michalek-Kommission auf Basis der von Sonja Niederacher erarbeiteten Dossiers, wonach "kein Tatbestand" im Sinne des Kunstrückgabegesetzes bestehe. Sollten neue Dokumente zu einer Causa auftauchen, werde man sich damit befassen, bis dahin sehe man aber "keinen Handlungsbedarf".

Im Zuge einer Versteigerung im Vorjahr hatte das Museum angekündigt, dass sich die Privatstiftung für den Fall, dass seitens der Grünbaum-Erben weiter behauptet werde, dass Schiele-Werke wie "Tote Stadt III" aus der Sammlung Grünbaum heute nicht rechtmäßig im Besitz des Leopold Museums seien, rechtliche Schritte vorbehalte. Die Albertina wollte am Mittwoch gegenüber der APA keine Stellungnahme abgeben.

Die Grünbaum-Erben beklagen in ihrer Aussendung "die verfehlte Restitutionspolitik Österreichs", wodurch ihr "kein anderer Weg (bleibt), als die Gerichte in den USA anzurufen, um Gerechtigkeit zu erlangen". Bisher habe sich die Republik geweigert, ihrer Verpflichtung aus dem Staatsvertrag nachzukommen und Raubkunst zurückzugeben. Die Klage wird laut dem neben Anwalt Raymond J. Dowd involvierten Genealogen Herbert Gruber deshalb in den USA eingebracht, da laut österreichischem Recht eine Klage aufgrund von Verjährung nicht möglich sei, beziehungsweise das Kunstrestitutionsgesetz "nicht einmal Parteienstellung ermöglicht", wie er der APA auf Anfrage mitteilte.

Möglich sei die US-Klage, "da die Republik Österreich dort Besitz hat (das Kulturzentrum)". Es gebe eine entsprechende Entscheidung des US Supreme Court, wonach eine solche Klage in New York zulässig sei, da auch eines der Familienmitglieder dort wohnhaft sei. Die Sammlung Leopold fällt nicht unter das österreichische Restitutionsgesetz, was man jedoch vor Gericht anfechten will.

Auktionen in den USA

Bereits im November 2014 hatten zwei Schiele-Werke aus der Sammlung Grünbaum bei Auktionen in den USA für Aufregung gesorgt: Wenige Tage vor der Versteigerung von "Stadt am blauen Fluss (Krumau)" hatte Christie's New York das Werk als Raubkunst gekennzeichnet, was das Leopold Museum zu scharfer Kritik veranlasste. Christie's übernehme "offenbar bewusst eine lückenhafte und falsche Provenienzkette", äußerte das Museum sein Unverständnis. Das Werk erzielte schließlich 2,965 Mio. Dollar (2,38 Mio. Euro), der Erlös wurde zwischen den Besitzern und den Grünbaum-Erben geteilt. Ebenfalls aus der Sammlung Grünbaum, aber ohne Hinweis auf Raubkunst, wurde bei Sotheby's auch Schieles "Sitzende mit angezogenem linken Bein (Torso)" für 1,325 Mio. Dollar ersteigert.

Der 1880 in Brünn (Brno) geborene Fritz Grünbaum war Kabarettist, Schauspieler und Autor. Er trat im Simpl auf und perfektionierte zusammen mit seinem Partner Karl Farkas das Konzept der Doppelconference zwischen einem vermeintlich G'scheiten und einem vordergründig Blöden. Beide waren Juden. Während Farkas 1938 die Flucht vor den Nazis gelang, wurde Grünbaum 1941 als 60-Jähriger im Konzentrationslager Dachau bei München ermordet.

Grünbaum besaß eine große Sammlung auch mit Werken anderer Größen der Kunstgeschichte. Laut den Anwälten von Dunnington, Bartholow & Miller befanden sich allein mehr als 80 Schiele-Werke in der Wiener Wohnung Grünbaums, als dieser von der Gestapo wenige Tage nach dem sogenannten "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland festgenommen und deportiert wurde. (APA, 3.5.2015)

Share if you care.