Mers-Ausbruch in Südkorea: Mehr als 500 Schulen geschlossen

3. Juni 2015, 14:41
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Insgesamt schon 30 Fälle - Regierung kündigt Sondereinheit an, WHO warnt vor Verbreitung

Seoul - Südkorea hat wegen des Mers-Ausbruchs mehr als 1.300 Menschen unter Quarantäne gestellt. Mehr als 500 Schulen sind geschlossen, damit die schwere Atemwegserkrankung sich nicht weiter ausbreitet. Die Zahl der bestätigen Fälle stieg innerhalb eines Tages von 25 auf 30.

Am Mittwoch kündigte die Regierung nach einer Dringlichkeitssitzung unter Vorsitz von Präsidentin Park Geun Hye außerdem eine Sondereinheit von Beamten, Ärzten und Gesundheitsexperten an. Sie soll das Vorgehen gegen das Mers-Virus besser koordinieren.

Zwei Wochen nach dem Ausbruch in Südkorea hatten die Behörden am Dienstag die ersten beiden Todesfälle des Landes infolge von Mers bekannt gegeben. Es handelte sich dabei um eine 58-jährige Frau und einen 71 Jahre alten Mann, beide mit Vorerkrankungen. Auch in China wird ein an dem Mers-Virus (Mers-CoV) erkrankter Mann, der Sohn eines südkoreanischen Patienten, behandelt.

WHO warnt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt auf ihrer Website vor einer weiteren Verbreitung von Mers in Südkorea. Angesichts der Reihe von Spitälern, die sich um den ersten dokumentierten Mers-Patienten im Land gekümmert hätten, "können weitere Fälle erwartet werden". "Ein solch großer Ausbruch außerhalb des Nahen Ostens ist eine neue Entwicklung", heißt es weiter.

Das Mers-Virus wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Der Erreger wurde nach bisheriger Erkenntnis seit vielen Jahren unerkannt von Kamelen auf Menschen übertragen. Er gehört zu den Coronaviren, zu denen viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zählen. Viren dieser Gruppe können sich genetisch rasch verändern und so an veränderte Bedingungen anpassen - etwa an den Menschen statt eines Kamels als Wirt. Experten treten dafür ein, dass Behörden sich vorsichtshalber weltweit darauf vorbereiten, dass ein Mers-Virus mit weit höherer Ansteckungsrate eine Pandemie zur Folge haben könnte.

Die Südkoreaner sind auch deshalb beunruhigt, weil unter den jüngsten Fällen Kranke sind, die keinen direkten Kontakt zum ersten Patienten hatten. Die meisten Infektionen wurden bisher mit dem 68 Jahre alten Mann in Verbindung gebracht, bei dem im Mai zum ersten Mal in Südkorea das Virus nachgewiesen wurde. Er war zuvor von einer Nahost-Reise zurückgekehrt. Viele Südkoreaner versuchen sich jetzt mit Mundmasken vor einer Ansteckung zu schützen.

"Erste Reaktion unzureichend"

Drei Ärzte bei dem Treffen mit der Präsidentin hätten jedoch vor "übermäßiger Beunruhigung" gewarnt, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. 25 der 30 Patienten hätten sich in ein und demselben Krankenhaus mit dem Virus infiziert. Die Staatschefin hatte am Montag die Behörden getadelt, "dass die erste Reaktion auf Mers unzureichend war". Einheimische Medien hatten kritisiert, dass die Informationsweitergabe anfangs mangelhaft gewesen sei.

Bis zum späten Mittwochnachmittag hätten sich weit über 500 Schulen zu einer vorsorglichen Schließung entschieden, sagte ein Sprecher des Erziehungsministeriums. Die meisten davon befinden sich in der Provinz Kyonggi, in der der erste Mers-Fall gemeldet worden war.

Nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Südkorea nach den Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Land mit den meisten bestätigten Mers-Fällen. Bis Ende Mai 2015 wurden nach ECDC-Daten weltweit 1.172 Mers-Fälle gemeldet, darunter 479 Todesopfer. (APA, 3.6.2015)

  • Menschen mit Mundschutz im Zentrum von Seoul als Vorsichtsmaßnahme gegen das Mers-Virus.
    foto: reuters/kim hong-ji

    Menschen mit Mundschutz im Zentrum von Seoul als Vorsichtsmaßnahme gegen das Mers-Virus.

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