Apple-Chef: "Die Bösen werden immer verschlüsseln"

3. Juni 2015, 10:12
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Tim Cook gegen behördliche Hintertüren und Verbot von Verschlüsselung – Kritisiert Datenhunger von Google und Co

Als erste Person aus der IT-Branche wurde Apple-Chef Tim Cook jüngst vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) für sein Engagement im Bereich Datenschutz, Privatsphäre und Sicherheit ausgezeichnet. Am "Champions of Freedom"-Event in Washington war er per Videochat zugeschalten und sprach über Apples Zugang zu den Themen. Dabei sparte er auch nicht mit indirekter Kritik an der Konkurrenz.

Apple wolle keine Kompromisse zwischen Sicherheit und Privatsphäre eingehen, betonte er dabei. Beides müsse "in gleichem Maße" sichergestellt werden, da die Bürger ein "fundamentales Recht auf Privatsphäre" hätten. Es ist nicht die erste Stellungnahme von Cook zu diesem Thema. Er reagierte mit einer Stärkung der Sicherheitsmaßnahmen auf den Leak von Promi-Fotos aus der iCloud und besuchte im Gegensatz zu den Chefs von Google oder Facebook auch den von US-Präsident Obama organisierten Cybersecurity-Gipfel im Februar, schreibt Techcrunch.

Implizite Kritik an Google und Co.

In deren Richtung schoß Cook auch offensichtlich, als er weiters erklärte, dass es das Geschäftsmodell mancher Silicon-Valley-Firmen sei, so viele Informationen wie möglich über ihre Nutzer zu sammeln, um diese schließlich zu monetarisieren. Nach E-Mails und dem Suchverhalten würden nun sogar Familienbilder zu "weiß Gott welchen Werbezwecken" analysiert – ein recht offensichtlicher Seitenhieb auf Googles neuen Fotodienst, der mit unbegrenztem Speicherplatz, ausgereifter Suche und intelligenten Organisations-Features lockt.

Er denke nicht, dass Kunden ihre Privatsphäre jemals für einen Dienst eintauschen sollten, von dem sie denken, er wäre kostenlos, der aber letztlich einen sehr hohen Preis habe. Dies sei besonders wichtig, zumal zunehmend auch Finanz- und Gesundheitsdaten online hinterlegt werden. "Wir denken, eines Tages werden die Kunden [dieses Geschäftsmodell] als das erkennen, was es ist." Apple sammle nur das Minimum an Daten, das für die Bereitstellung "großartiger Nutzererfahrung" notwendig ist.

Verschlüsselung darf nicht kompromittiert werden

Auch zum Thema Verschlüsselung äußerte sich der Apple-Chef. "Manche in Washington" hofften, die Möglichkeiten zur Absicherung von Daten untergraben zu können. Dies sei jedoch "unglaublich gefährlich". Verschlüsselung sei eine unerlässliche Funktion für die Absicherung der eigenen Daten – auch vor dem Zugriff von Apple selbst. "Wir glauben, dass die Inhalte eurer Textnachrichten oder Videochats uns nichts angeht."

Dazu würde eine Kompromittierung von Verschlüsselung das Risiko erhöhen, aber keinen Nutzen bringen. "Wenn man unter der Türmatte einen Schlüssel für die Polizei versteckt, kann ihn dort auch ein Einbrecher finden", so Cook. "Wenn Kriminelle wissen, dass es irgendwo einen Schlüssel gibt, werden sie nicht aufgeben, bis sie ihn gefunden haben."

Verschlüsselung aufzuheben würde nur gesetzestreuen Bürgern schaden, die sich darauf verlassen, dass Apple ihre Daten schützt. "Die Bösen werden immer verschlüsseln", denn die Tools dafür seien einfach verfügbar. Die Daten anderer zu schützen, so Cook abschließend, würde auf lange Sicht zum Schutz von allen beitragen. (gpi, 03.06.2015)

  • Apple-CEO Cook positioniert sich als vehementer Befürworter von Verschlüsselung.
    foto: apa

    Apple-CEO Cook positioniert sich als vehementer Befürworter von Verschlüsselung.

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