Folgenreiche Verstrickungen bis in die Gegenwart

2. Juni 2015, 22:00
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Der Gründung der Klimt-Foundation folgt die Neubesetzung der Leopold-Museums-Direktoren

Wien – Wenn der Leopold-Museums-Vorstand dieser Tage über die personelle Nachbesetzung der kaufmännischen und museologischen Direktoren entscheidet, dann hat das mehr mit der im Herbst 2013 von Ursula Ucicky gegründeten Klimt-Foundation zu tun, als sich die Beteiligten eingestehen wollen und Familie Leopold lieb sein kann.

Denn die Konstellation entbehrte nicht einer gewissen Brisanz. Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold-Museums (LM), war von der Witwe des NS-Propagandafilmregisseurs zum Vorstand auf Lebenszeit berufen worden. An seiner Seite Lebensgefährtin Sandra Tretter, bis zum Sommer 2013 Mitarbeiterin des Museums, sowie Rechtsanwalt Andreas Nödl, zeitgleich Mitglied des LM-Vorstandes.

Auch wenn Weinhäupl einen Interessenkonflikt zu seiner LM-Funktion stets in Abrede stellte, die Diskussionen wollten nicht verstummen. Selbst Mitgliedern der Familie Leopold war dies anfänglich ein Dorn im Auge, später arrangierte sie sich. Nicht Tobias Natter, der monierte, dass Vorstandsvorsitzender Helmut Moser dies diskussionslos durchgewinkt hatte. Natter zog die Konsequenzen und trat als museologischer Direktor zurück.

Auch weil das Museum über diese Verstrickung neuerlich einer Raubkunst-Debatte ausgesetzt war. Denn im Vorfeld hatte sich Ucicky über einen Privatverkauf von Klimts Wasserschlangen II mit den Erben nach Jenny Steiner verglichen und war ein Anteil ihres Teilbetrages (56 Mio. Dollar) in die Stiftung geflossen. Dazu hatte sie Klimt-Werke mit zum Teil problematischer Provenienz eingebracht, darunter das seit 1999 als Raubkunst bekannte Porträt von Gertrud Loew-Felsövanyi.

Im Juni vergangenes Jahr stellte sich STANDARD-Recherchen zufolge heraus, dass Peter Weinhäupl von dem Wasserschlangen-Deal über eine Provision profitiert hatte. Die nachfolgende parlamentarische Anfrage verlief ins Leere. Derweilen sinnierten Diethard Leopold und Interims-Museologe Franz Smola über Kooperationen mit der Klimt-Foundation. Die scheinen vorerst vom Tisch. Denn kurz nachdem Weinhäupl im Februar verlautbarte, seinen LM-Vertrag nicht zu verlängern, wurde bekannt, dass die Foundation das Gustav-Klimt-Zentrum (GKZ) am Attersee übernommen hat. Das Leopold-Museum hatte – auf Initiative Weinhäupls – hier sowohl fachlichen als auch nennenswerten finanziellen Beistand geleistet. (kron, 2.6.2015)

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