Frisierte Blasmusik und ein Hoch auf das Ordinäre

3. Juni 2015, 09:57
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Bach, Gulda und die Liebe zum Salzkammergut: Das versprechen die Paul-Hofhaimer-Tage in Radstadt. Motto: "Unerhört"

Radstadt - Das nach dem 1459 in Radstadt geborenen Renaissance-Komponisten benannte "Festival für Alte Musik und Neue Töne" startet am Mittwoch mit einem Konzert des diesjährigen Artist in Residence, Leonhard Roczek. Der 32-jährige Salzburger Cellist wird zwei Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach spielen. Am Donnerstag folgt die offizielle Eröffnung durch Stefan Slupetzky, in der der Wiener Autor, Illustrator und Musiker wohl auch auf die begriffliche Mehrdeutigkeit des Festivalmottos "Unerhört" eingehen wird.

Dass er sich mit Unerhörtem - im Sinne von Ungebührlichem - bestens auskennt, beweist Slupetzkys Hang zu groteskem Sprachwitz und Morbidität, mit der seine Neowienerliedpartie Trio Lepschi (Stefan samt Bruder Tomas und Jazzer Martin Zrost) seit 2010 an die ebenso bös-schwarzhumorige wie sauordinäre Tradition von H. C. Artmann, Gerhard Rühm, Georg Kreisler, Kurt Sowinetz und Helmut Qualtinger anknüpft.

"z tod gfiacht"

Am Freitag liest Stefan Slupetzky im Flachauer Schloss Höch zunächst aus seinem Krimi Polivka hat einen Traum (Kindler-Verlag). Danach spielt das Gstanzln und Schüttelreime liebende Trio das Programm z tod gfiacht.

Bereits am Donnerstag führt die Philharmonie Salzburg (Dirigentin: Elisabeth Fuchs, am Violoncello Leonhard Roczek) die fünfte Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy, Maurice Ravels Boléro sowie ein Werk Friedrich Guldas auf.

Letzterer komponierte 1950 das Konzert für Cello und Blasorchester für Cellist Heinrich Schiff: Darin verbindet der grenzenüberschreitende Pianist Klassik mit Elementen des Jazz und der oberösterreichischen Volksmusik - zu einer "eklektischen Liebeserklärung an das Salzkammergut".

Ähnliche Töne schlägt am Samstag auch Septett Federspiel an: Es frisiert alpenländische Blasmusik sowie folkloristische Klänge aus anderen Weltgegenden (etwa Mariachis) mit Pop und zeitgenössischen Improvisationen auf. (Gerhard Dorfi, 3.6.2015)

3.-7. 6., Radstadt, Kulturkreis Das Zentrum, 06452/71 50

  • Der Wiener Autor und Musiker Stefan Slupetzky eröffnet die Paul-Hofhaimer-Tage am Donnerstag in Radstadt. Er liest auch aus seinem Krimi "Polivka hat einen Traum".
    foto: julia maetzl

    Der Wiener Autor und Musiker Stefan Slupetzky eröffnet die Paul-Hofhaimer-Tage am Donnerstag in Radstadt. Er liest auch aus seinem Krimi "Polivka hat einen Traum".

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