Die Zukunft der Bananen ist bedroht

4. Juni 2015, 09:00
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99 Prozent aller Bananen weltweit gehören der Sorte Cavendish an. Dieser macht nun ein aggressiver Pilz schwer zu schaffen

Wien – Bananen gehören heute so selbstverständlich ins Supermarktregal wie Äpfel und Kartoffeln. Die weltweit hohe Nachfrage hat ihren Preis: Exportbananen werden massenweise in Monokultur angebaut, was sie für Krankheiten hochgradig anfällig macht.

Der aktuelle Schrecken aller Plantagenbesitzer heißt Tropical Race 4 (TR4). Der bodenlebende Pilz löst die sogenannte Panamakrankheit aus: Er befällt die Pflanzen über die Wurzeln und verstopft die Leitbahnen. Der Wasser- und Nährstofftransport versiegt, die Pflanze vertrocknet. Das Fatale an TR4: Es gibt kein wirksames Mittel dagegen. Einmal im Boden bleibt er dort, denn TR4 bildet sogenannte Sporen, die mehrere Jahrzehnte in der Erde überleben.

In Asien brach die Panamakrankheit Ende der 1990-Jahre aus. Seit Jahren warnen Agrarexperten vor der Ausbreitung des Pilzes, seit einigen Monaten immer dringlicher: TR4 hat den Sprung aus Asien geschafft und wurde in Afrika und kürzlich in Nordaustralien nachgewiesen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist alarmiert und hat Anfang des Jahres einen Maßnahmenkatalog zur Rettung der Banane verabschiedet. "Wenn wir keine Vorkehrungen treffen, ist die weitere Ausbreitung von TR4 unvermeidlich. Die Folgen wären verheerend", sagt FAO-Experte Fazil Dusunceli.

Wiederholung der Geschichte

Gehandelt wird auch deswegen so entschlossen, weil sich die Geschichte zu wiederholen scheint: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich die Panamakrankheit schon einmal in Lateinamerika aus. Dem Pilz fiel die damals vorherrschende Bananensorte Gros Michel zum Opfer. Noch heute schwärmen Kenner von ihrer Größe und ihrem Aroma. Nach und nach mussten Plantagenbesitzer sie durch die Sorte Cavendish ersetzten: Weniger aromatisch, kleiner, empfindlicher beim Transport aber resistent gegen den Pilz.

99 Prozent unserer Supermarkt-Bananen gehören dieser Cavendish-Sorte an. Doch nun erliegt sie ebenfalls der Panamakrankheit, die nun der neue Pilzstamm TR4 auslöst. Ein Déjà-vu mit einem gravierenden Unterschied: Anders als damals existiert keine TR4-resistente Ersatzbanane, obwohl weltweit intensiv an neuen, krankheitsresistenten Bananensorten gearbeitet wird. Immerhin setzt der Bananenhandel jährlich 33 Milliarden Euro um.

Doch die Zucht der gelben Früchte ist eine Kunst für sich. Bananen klonen sich selbst, indem sie sich durch Schösslinge vermehren: Das heißt, alle Bananenpflanzen, egal, auf welchem Erdteil sie wachsen, sind genetisch identisch. "Das macht den Bananenanbau in höchstem Maße anfällig für Krankheiten wie TR4", sagt Altus Viljoen, TR4-Experte an der Universität Stellenbosch in Südafrika. Und es erschwert die Zucht: Aufgrund ihrer Fortpflanzungsweise lassen sich neue Eigenschaften in Kulturbananen nur mühsam erzeugen.

"Kreuzt man andere Bananensorten ein, schmecken die Hybride nicht wie die gewohnte Cavendish – das schätzen Konsumenten nicht", sagt Viljoen. "Und krankheitsresistente Pflanzen bilden häufig weniger Früchte. Das wiederum schätzen Züchter nicht." Hinzu kommen Ansprüche an Lager- und Transportfähigkeit der Früchte. Entsprechend könne die Zucht einer perfekten Banane 20 Jahre beanspruchen.

Auch Gentechniker versuchen sich an der Bananenzucht. Doch bislang ohne Ergebnis. "Würden Sie eine genetisch veränderte Banane essen? Das ist doch die eigentliche Frage", sagt Viljoen, "Cavendish-Bananen werden in Massen produziert, um Geld zu verdienen. Wenn Verbraucher sie nicht essen, hat eine resistente Pflanze keinerlei Wert."

Mithilfe der FAO sind nun global und lokal Aufklärungskampagnen über das TR4-Risiko geplant. Der Pilz überträgt sich nicht durch die Luft, sondern durch kontaminierte Erde oder Pflanzenmaterial, was seine Kontrolle theoretisch erleichtert. Weltweit sollen nun Plantagenmitarbeiter über den Übertragungsweg informiert werden. Denn ein paar Sporen, die an Schuhsohlen kleben oder eine mit Erde verschmutzte Bananenkiste reichen aus, um den Pilz per Schiff oder Flugzeug über Kontinente hinweg zu verbreiten.

Andere Anbaumethoden

Um den Bananenanbau aber weniger anfällig zu machen, müssen sich langfristig die Anbaumethoden ändern. Statt genetisch gleiche Bananen in Monokultur anzubauen, muss auf Artenvielfalt und genetische Variabilität gesetzt werden. Kleinbauern beherzigen das bereits: "Sie pflanzen verschiedene Bananensorten und Getreide an und sind nicht so stark von TR4 betroffen", so Molina.

"Weltweit werden viele, sehr schmackhafte Bananen angebaut, die in keinem Supermarkt zu kaufen sind", sagt Viljoen, der hofft, dass sich das Bananenangebot in Zukunft erweitert. Dazu müssten Konsumenten aber gewillt sein, Bananen zu kaufen, die anders aussehen und anders schmecken, die nicht das ganze Jahr über verfügbar sind. Und die obendrein noch teurer sind. (Juliette Irmer, 3.6.2015)

  • Ein mit Bananen randvoll beladener Lastwagen in Somalia: Solche Bilder könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn sich die für Bananenstauden tödliche Panamakrankheit tatsächlich weltweit ausbreitet.
    foto: farah abdi warsameh/ap/dapd

    Ein mit Bananen randvoll beladener Lastwagen in Somalia: Solche Bilder könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn sich die für Bananenstauden tödliche Panamakrankheit tatsächlich weltweit ausbreitet.

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