Great Barrier Reef kommt doch nicht auf Rote Liste

3. Juni 2015, 11:52
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Die Unesco ist dennoch weiterhin besorgt, vor allem die Kohleindustrie steht im Fadenkreuz der Kritiker

Das bedrohte Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste wird von Unesco nun doch nicht auf die Liste der gefährdeten Weltnaturerbe gesetzt. So lautet jedenfalls die Empfehlung der Uno-Kulturorganisation in Paris an die Adresse des Welterbekomitees, das Ende Juni in Bonn tagen wird. Die Unesco zeigte sich jedoch weiterhin "besorgt" über den Zustand der Touristenattraktion. Seit 1985 sind etwa 50 Prozent der Korallen verschwunden.

Der australische Umweltminister Greg Hunt reagierte erleichtert. Der Entscheid sei "eine gute Nachricht für das Riff, für den Bundesstaat Queensland und für Australien". Australien hatte Unesco einen Langzeitplan vorgelegt. Dieser müsse nun "rigoros umgesetzt werden", um die Zerstörung des mit 2400 Kilometern Länge größten Riffes der Erde nicht nur aufzuhalten, sondern rückgängig zu machen. Gelingt Australien dies nicht, droht erneut die rote Karte.

Die Umweltorganisation WWF glaubt, dass zum Schutz des Riffs Investitionen von mindestens 350 Millionen Euro notwendig sind. Australien hat in den vergangenen Monaten wegen des drohenden Entscheids die zerstörerische Entsorgung von Baggergut im Riffgebiet verboten, wenngleich er in ökologisch sensiblen Gebieten an Land weiter möglich sein soll. Auch der Zufluss von mit Dünger und Schadstoffen verschmutztem Wasser dürfte bald reduziert werden, hoffen Beobachter.

Klischee gefährdet

Eine Erklärung des Barrier-Riffs zum gefährdeten Weltnaturerbe hätte massive wirtschaftliche Folgen. Das Klischee von Australien als "grünem und sauberem" Land würde schwer geschädigt. Der 345.000 Quadratkilometer große Meerespark ist eine der rentabelsten Touristenattraktionen des Landes. Rifftourismus in und um die Stadt Cairns beschäftigt mindestens 60.000 Menschen.

Doch in immer mehr Gebieten sind Besucher beim Tauchen und Schnorcheln enttäuscht. Korallen sind ausgebleicht oder gar zu Kalkschutt verfallen. Die Wasserqualität wird immer schlechter. Meeresbiologen kennen die Ursachen seit Jahren: Abwässer, Schiffsverkehr, Fischerei und der Ausbau von Häfen. Zudem sind Korallen temperaturempfindlich, die Klimaerwärmung hinterlässt ihre Spuren.

Der Fokus der Kritiker richtet sich deswegen zunehmend nach Westen - ins Hinterland des Bundesstaates Queensland. Dort liegen einige der größten Kohleminen der Welt. Kohle ist nicht nur eines der wichtigsten Exportprodukte Australiens. Fossile Brennstoffe sind Quellen klimaschädigender Emissionen.

Laut dem Chef des Rohstoffrats des Bundesstaats Queensland, Michael Roche, geht es "den Umweltschützern weniger um das Riff als um die Stilllegung der Kohleindustrie". Unbestritten ist, dass der Druck Erfolg zeigt. Der indische Kohlekonzern Adani, der im Hinterland eine große Kohlemine bauen will, hat bisher keinen Geldgeber gefunden. Deutsche Bank und andere internationale Finanzhäuser weigern sich, für den Ausbau eines Kohleverladehafens in der Nähe des Riffs zu zahlen. Der Umweltminister hatte bereits Pläne für das Ablagern von Hafenschlamm im Riffgebiet bewilligt, als ihn weltweite Proteste zum Umdenken zwangen. (Urs Wälterlin aus Canberra, 3.6.2015)

  • Neben verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt ist die schlechter werdende Wasserqualität auch für den Tourismus schädlich: Taucher werden enttäuscht, da immer mehr Korallen ausbleichen oder ganz verschwinden.
    foto: imago/schöning

    Neben verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt ist die schlechter werdende Wasserqualität auch für den Tourismus schädlich: Taucher werden enttäuscht, da immer mehr Korallen ausbleichen oder ganz verschwinden.

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