Fünf Jahre Arbeit: Wieso ein Fan "Final Fantasy 7" komplett neu übersetzte

3. Juni 2015, 11:25
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Brite wollte ursprünglich nur ein Story-Video aus dem Rollenspiel machen

Der Brite Daniel Burke ist eine großer Fan der "Final Fantasy"-Reihe. Insbesondere Teil 7 hat es ihm angetan. So sehr, dass er fünf Jahre damit verbracht hat, das Spiel von Grund auf neu zu übersetzen, weil er mit der bestehenden Lokalisierung unzufrieden war.

Das Projekt des heute 31-Jährigen aus Manchester trägt den Namen "Beacause", der eine Anspielung auf einen Fehler im ursprünglichen Text ist. Dieser war gespickt mit deplatzierten Sprichworten, seltsamer Grammatik und wahrscheinlichen Fehlübersetzungen aus dem Japanischen. Defizite, die auch damit begründet waren, dass mit Michael Baskett bei Squaresoft USA lediglich ein Angestellter mit der Übersetzung befasst war, der noch dazu unter Zeitdruck stand.

Aeris vs. Aerith

Zum Teil haben die Fehler Auswirkungen auf das Spiel, weil sie unbeabsichtigt falsche Hinweise geben. Andere wiederum sind rein kosmetischer Natur, aber deswegen nicht weniger umstritten. Etwa der Name des Charakters "Aeris", den Burke für falsch übernommen hält. Ein Übel, das im Alternativtext beseitigt wurde, dort heißt die Spielfigur "Aerith".

Ursprünglich wollte Burke nur ein Story-Video aus "Final Fantasy 7" machen, um das Spiel und seine Hintergrundgeschichte seiner Freundin näher zu bringen. Doch die Defizite der Übersetzung wurmten ihn schließlich zu sehr. Es folgte ein Mammutprojekt, denn er arbeitete den Text von Grundauf neu auf, entdeckte Fehler und Folgefehler, die sich aus diesen ableiteten. "Es geriet außer Kontrolle", erklärt Burke gegenüber Eurogamer. "Es wurde von einem schnellen Ein-Wochen-Projekt zu einem Unterfangen, dass eines Japanisch-Sprechers und Projektmanagemetns bedrufte".

daniel burke
daniel burke

Detailarbeit

Mit "Luksy", einem Nutzer aus dem gleichen Forum, fand er schließlich den rettenden Helfer – einen gebürtigen Briten, der die Leidenschaft für das Spiel teilte und in Japan lebt und arbeitet. Nach Monaten des langsamen Fortschritts kam das Projekt in Fahrt. Luksy lieferte relativ wörtliche Übersetzungen, Burke verwandelte sie in natürlichere Formulierungen.

Oft wurde ausführlich über Details diskutiert, auch im Bezug darauf, wie Aussagen im Bezug auf die Persönlichkeit verschiedener Charaktere möglichst glaubwürdig gestaltet werden könnten. Weitere Helfer ermöglichten es, manchen Figuren herkunftsbedingtes Flair zu verleihen. Cait Sith etwa spricht nun mit schottischem Akzent und sagt "Och!" statt "Oh damn".

Strittige Änderungen

Je weiter die Übersetzung fortschritt, desto größer wurde das Interesse der Community. Und damit auch die Kritik an manchen Änderungen. Hoch umstritten ist bis heute die Umbenennung von Aeris. Diskussionsstoff gab auch der am Original orientierte Namenswechsel der "Moogles" in "Moguri".

Das Beacause-Projekt selbst gehört zu einer siebenteiligen Mod-Sammlung namens "The Reunion". Diese wertet das Game auch technisch auf – etwa durch Kämpfe in 60 FPS, überarbeiteten Menüs oder einem neuen, höheren Schwierigkeitsgrad.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich Burke viel Wissen angeeignet und will immer noch das Story-Video für seine Freundin machen. Eine weitere Neuübersetzung will er aber "zu 100 Prozent" nicht mehr machen. (gpi, 03.06.2015)

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