Frühstück im ORF: Wrabetz verspricht gute Nachrichten am Morgen

3. Juni 2015, 15:08
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Kritik an Truck-Konzept im Publikumsrat: "Mitten am leeren Hauptplatz" - ORF-Chef: Entscheidungen im Juni

Wien - Dem - ziemlich fix klingenden - Projekt Frühstücksfernsehen widmet sich am Mittwoch der ORF-Publikumsrat, das zweite Aufsichtsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders. Dafür mit einem mobilen Studio von Gemeinde zu Gemeinde zu tingeln, wie es der den Sozialdemokraten zugerechnete Salzburgs Landesdirektor Roland Brunhofer vorgeschlagen hat, stößt freilich auch hier nicht auf ungeteilte Begeisterung.

"Leer und finster"

Andreas Kratschmar, den die ÖVP-Parteiakademie in den Publikumsrat entsandt hat, äußert auf STANDARD-Anfrage Bedenken gegen das mobile Studio in einem Groß-Lkw: "Kritisch zu hinterfragen ist, ob das vorgeschlagene Truck-Konzept für´s Frühstücksfernsehen wirklich die Sendung trägt. Wir wissen, dass in der Früh auf den meisten Hauptplätzen in Österreich nichts los ist. Trotzdem soll der ORF-Truck dort sein."

Kratschmar erschließt sich der Sinn dieses Konzepts nicht: "Droht da nicht ein 'Mitten am leeren Hauptplatz'? Und im Winter ein 'Mitten am leeren und finsteren Hauptplatz?'.

Drei Landesdirektoren

Der bürgerliche Publikumsrat betont: "Ich bin für erfolgreiches Frühstücks- und Regionalfernsehen". Daher verlange er "eine Weiterentwicklung des bis jetzt bekannten Konzepts".

Daran arbeitet gerade eine um zwei Landesdirektoren und zwei Redakteure aufgestockte Projektgruppe, sie soll bis Ende Juni Ergebnisse vorlegen, danach - also nach Publikums- und Stiftungsratsterminen im Juni - will ORF-Chef Alexander Wrabetz entscheiden. Regulärer Start nach bisheriger Planung: Frühjahr 2016, vor der ORF-Generalswahl im Sommer, mit einem Vorgeschmack zum Nationalfeiertag.

Entscheidungen im Juni

ORF-Burgenlandesdirektor Karlheinz Papst sagte im Publikumsrat, die Arbeitsgruppe werde dem General "in den nächste Tagen" einen nächsten Zwischenbericht zur weiteren Entscheidung vorlegen.

Wrabetz betonte, dass man "Guten Morgen Österreich" noch als "Work in Progress" betrachten müsse. Nach dem Zwischenbericht würden noch im Juni "die notwendigen Entscheidungen" getroffen. Die "Mobilitätskosten" machten nur einen "Bruchteil der Gesamtkosten" aus, sagte der ORF-Generaldirektor.

Rise and shine

Wrabetz erwartet positive Berichterstattung in der Früh, um Österreich "nicht in eine morgendliche Depression zu stürzen". Nachrichteninhalte würden ohnehin auch in anderen Sendungen dargestellt werden. Mit "Guten Morgen Österreich" solle der ORF wieder Marktführer in dieser Zeitzone werden. "Wir wollen dem aber einen anderen Twist gehen" als das (seit Jahrzehnten geläufige) Frühstücksfernsehen bisher, er sprach von "Unverwechselbarkeit".

Blut-und-Boden-Logo

Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste und von der Grünen Bildungswerkstatt in den Publikumsrat entsandt, warnte vor dem Arbeits-Logo von "Guten Morgen Österreich": Sie bezeichnete es als "Katastrophe" und sieht darin "fast Blut- und Boden-Ästhetik".

Großes Publikumsinteresse

Für mehr Regionales im ORF spricht nach STANDARD-Infos die jüngste Umfrage im Auftrag des Publikumsrats, diesmal über Regionalberichterstattung. 1005 Menschen wurden von Integral befragt. Ein Ergebnis: 84 Prozent interessieren sich für lokale und regionale Nachrichten.

"An sich sollte beim Ausbau der Regionalberichterstattung nichts schief gehen können", sagt Kratschmar zur Studie: "Die Nachfrage des Publikums ist extrem groß." Wäre da nicht die Sache mit dem Truck und den leeren Hauptplätzen. (red, 3.6.2015)

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