Hirn-Doping mit Dopamin?

2. Juni 2015, 12:56
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Laut einer Studie muss mehr Dopamin nicht immer gut sein: Ab einem bestimmten Punkt nehmen die Leistungen wieder ab

Der Neurotransmitter Dopamin reguliert die Aktivität des Gehirns und dient unter anderem dem Arbeitsgedächtnis. – Also der Fähigkeit, mehrere Dinge im Kopf zu behalten und zu verändern. Ältere Erwachsene haben im Durchschnitt weniger Dopamin als jüngere Erwachsene und zeigen niedrigere Arbeitsgedächtnisleistungen. Zudem ist die Variabilität ihrer Gehirnaktivität geringer.

Die Zusammenhänge zwischen Dopamin, Variabilität der Gehirnaktivität und Alter liegen jedoch noch im Dunkeln. Um diese Zusammenhänge zu erhellen, untersuchte ein internationales Forscherteam die Wirkung der chemischen Substanz D-Amphetamin auf die Gehirnaktivität und das Arbeitsgedächtnis. D-Amphetamin führt zur vermehrten Ausschüttung von Dopamin und wird auch bei der Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern eingesetzt.

Überraschendes Ergebnis

Die Forscher teilten zunächst jüngere und ältere Erwachsene in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe erhielt in der ersten Sitzung D-Amphetamin und in der zweiten Sitzung ein Placebo. Bei der zweiten Gruppe war es umgekehrt. Weder die Probanden noch die Studienleiter kannten die Reihenfolge, in der Wirkstoff und Placebo verabreicht wurden.

In beiden Versuchsanordnungen wurde die Variabilität der Hirnaktivität mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen, während die Probanden eine Arbeitsgedächtnisaufgabe bearbeiteten. Die Forscher sagten voraus, dass die Gabe von D-Amphetamin infolge der erhöhten Ausschüttung von Dopamin die Variabilität der Gehirnaktivität erhöhen und die Arbeitsgedächtnisleistungen steigern müsste, und zwar insbesondere bei älteren Erwachsenen.

Das vorhergesagte Ergebnismuster traf zu, allerdings nur bei denjenigen älteren Erwachsenen, die das D-Amphetamin in der ersten Sitzung erhielten. Bei Probanden, die das D-Amphetamin in der zweiten Sitzung erhielten, kam es zwar ebenfalls zu einer Steigerung der Gehirnaktivität, die positiven Folgen für die Leistungen in der Arbeitsgedächtnisaufgabe blieben jedoch aus.

Keine Empfehlung für D-Amphetamin

"Die Ergebnisse für die zweite Gruppe waren wirklich überraschend", kommentiert Erstautor Douglas Garrett, Forscher am Max Planck UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research, das Resultat. "Den Ursachen dieser Reihenfolgeeffekte wollen wir in weiteren Studien nachgehen."

"Die Ergebnisse bieten auch keine Grundlage für eine Empfehlung an ältere Erwachsene, D-Amphetamin einzunehmen", warnt Ulman Lindenberger, Direktor des Forschungsbereichs Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. "So eine Empfehlung verbietet sich derzeit", ergänzt Douglas Garrett. "Zunächst müssen wir die Reihenfolgeeffekte und die Wirkungen einer wiederholten Gabe von D-Amphetamin viel besser verstehen."

Bei einigen jungen Probanden, die eine hohe Gehirnaktivität und hohe Leistungen zeigten, wirkte D-Amphetamin zudem leistungsmindernd. Mehr Dopamin muss also nicht immer gut sein: Ab einem bestimmten Punkt nehmen die Leistungen wieder ab. (red, 2.6.2015)

  • In beiden Sitzungen wurde die Variabilität der Hirnaktivität mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen, während die Probanden eine Arbeitsgedächtnisaufgabe bearbeiteten.
    foto: reuters/michaela rehle

    In beiden Sitzungen wurde die Variabilität der Hirnaktivität mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) gemessen, während die Probanden eine Arbeitsgedächtnisaufgabe bearbeiteten.

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