PGP-Verschlüsselung und Tor: Facebook zeigt Respekt für Privatsphäre

2. Juni 2015, 10:13
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Schutz für E-Mails gegen Überwachung - neue Funktion könnte Trend verstärken

Am 1. Juni hat Facebook damit begonnen, Nutzern seines E-Mail-Dienstes starke Verschlüsselung zu ermöglichen. Dafür wurde OpenPGP implementiert. Dies ermöglicht es, Nachrichten unter Verwendung eines öffentlichen Schlüssels mit anderen Nutzern auszutauschen.

Damit ist der Inhalt der Botschaft auch dann nicht einsehbar, sollte die Nachricht am Weg zum Ziel abgefangen werden. Erst der Empfänger kann die Botschaften mit seinem geheim gehaltenen, privaten Schlüssel wieder von einer scheinbar zufälligen Zeichenanhäufung in regulären Text verwandeln.

Schwieriger Spagat mit Potenzial

Mit der Einführung dieser Funktion zeigt Facebook, das ob seines Umgangs mit Nutzerdaten oft in der Kritik steht, ernstzunehmenden Respekt für die Privatsphäre seiner User, attestiert Wired. Freilich betrifft dies nur die E-Mail-Funktion und nicht sämtliche Kommunikation über die Plattform, die per HTTPS abgesichert wird. Die Plattform ist dazu seit vergangenem Herbst auch über den Anonymisierungsdienst Tor zugänglich.

Facebook steht weiterhin im Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit, gezielt Werbung auszuspielen, wofür eine Analyse der Vorlieben der einzelnen Nutzer essentiell ist. Gleichzeitig könne aber das Sicherheitsteam des Social Networks, das wiederum mit Privacy-Experten zusammenarbeitet, "einen echten Unterschied machen", sagt Sicherheitsforschern Eleanor Saitta.

Facebook-Verzicht keine praktische Antwort

Die E-Mail-Verschlüsselung könnte die Kommunikation unter politischen Aktivisten sicherer machen. Empfehlungen, bei Datenschutzbedenken ganz auf Facebook zu verzichten, seien keine praktische Antwort auf selbige, gibt Saitta zu denken. Die Plattform hat eine Milliarde Mitglieder und wird auf absehbare Zeit von enormer Wichtigkeit bleiben, um mit einer Botschaft viele Menschen zu erreichen. Es sei wichtig, dass die Konten von jenen Leuten, die dort politische Arbeit betreiben, sicher seien.

Trendsetter

Mit der Einführung von OpenPGP könnte Facebook als Trendsetter fungieren. Auch andere große IT-Konzerne, etwa Google, arbeiten an Verbesserungen in diese Richtung. Facebook sei "eine Art Anführer, der andere große Plattformen in diese Welt [Anm.: der besseren Kommunikationssicherheit] mitzieht".

Verschlüsselung und Anonymisieren seien dabei nicht nur wichtig für Nutzer, die aufgrund ihrer Tätigkeiten einem Risiko ausgesetzt sind. Sie erschweren es etwa auch Cyberkriminellen, heikle Daten abzugreifen und tragen damit bei, "ein besseres Internet für alle" zu gestalten. (gpi, 02.06.2015)

  • Mit der Einführung von Tor-Support und OpenPGP hat Facebook ernstzunehmende Verbesserungen im Bereich des Datenschutzes erzielt.

    Mit der Einführung von Tor-Support und OpenPGP hat Facebook ernstzunehmende Verbesserungen im Bereich des Datenschutzes erzielt.

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