"Entschlossene Unterstützung" für Iraks Pläne gegen IS

2. Juni 2015, 18:33
40 Postings

US-Koalition setzt auf Sunniten - Steinmeier: "Langen Atem" im Kampf gegen IS behalten

Paris - Die US-geführte Koalition gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) hat dem Irak seine Unterstützung für seinen Plan zur Rückeroberung von Gebieten zugesagt. Bei einer Konferenz in Paris brachten die Vertreter von rund 20 Staaten ihren "entschlossene Unterstützung für diesen Plan" in einer Abschlusserklärung zum Ausdruck.

Dem Plan zufolge sollen lokale Kräfte in der Provinz Anbar, in der die kürzlich vom IS eroberte Stadt Ramadi liegt, stärker im Kampf gegen IS unterstützt werden. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte nach der Konferenz, der irakische Regierungschef Haider al-Abadi habe bei der Konferenz "sehr glaubwürdig" dargelegt, dass er die Sunniten im Irak in die politischen Instanzen und in die Armee zurückholen wolle. Dies sei der "entscheidende Schlüssel" dafür, die ethnisch-religiöse Auseinandersetzung im Irak zu beenden.

Schiitische Milizen

Die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad setzt im Kampf gegen die sunnitischen Islamisten vom IS bisher stark auf schiitische Milizen, die auch vom Iran unterstützt werden. Sunnitische Bevölkerungsteile im Irak, die dem IS kritisch gegenüberstehen, fühlen sich dadurch nicht nur ausgegrenzt, sondern selbst gefährdet. Die USA drängen daher seit einiger Zeit auf eine stärkere Einbindung von Sunniten in den Kampf.

Steinmeier machte angesichts der Vielzahl der Krisen in Nahen und Mittleren Osten deutlich, dass "die Stabilität einer ganzen Region in Frage steht". Niemand habe an einen schnellen Sieg über den IS geglaubt. Es gehe aber nicht nur um einen militärischen Sieg, sondern auch um politische Stabilisierung. "Es kommt darauf an, dass wir langen Atem behalten", sagte er auch mit Blick auf die jüngsten militärischen Rückschläge in Ramadi oder im syrischen Palmyra. Wichtig sei es zudem, mit den arabischen Nachbarn an einem Strang zu ziehen.

Auch der französische Außenminister Laurent Fabius sprach von einem "Kampf auf lange Sicht". US-Vizeaußenminister Antony Blinken, der den wegen eines Fahrradunfalls verhinderten John Kerry vertrat, sprach von einer "guten Strategie" der internationalen Koalition im Irak. Er lobt auch den irakischen Plan für die Provinz Anbar.

Al-Abadi hatte kurz vor Beginn der Konferenz am Morgen in Paris von einem "Scheitern" der Koalition im Kampf gegen den IS gesprochen. Er beklagte auch mangelnde Unterstützung für sein Land. Nach der Konferenz forderte er nun erneut "mehr Unterstützung" für die irakischen Kräfte am Boden. Zudem müssten der Zustrom ausländischer Kämpfer gestoppt und die IS-Finanzquellen ausgetrocknet werden. Von einem "Scheitern" der Strategie gegen den IS sprach er aber nicht mehr.

Mehr als 30 Tote bei Selbstmordanschlägen

Bei Selbstmordanschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat sind im Irak mindestens 32 Menschen getötet worden. Wie am Dienstag aus Sicherheitskreisen verlautete, fuhren die Attentäter in der Ortschaft Baiji nördlich von Bagdad mit vier sprengstoffbeladenen Fahrzeugen in Gruppen schiitischer Kämpfer hinein. Rund 34 Personen seien verletzt worden, hieß es. (APA, 2.6.2015)

  • Haider al-Abadi präsentierte in Paris seine Pläne gegen IS.
    foto: apa/epa/laurent

    Haider al-Abadi präsentierte in Paris seine Pläne gegen IS.

Share if you care.