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Blog2. Juni 2015, 15:10
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Wie der Kampf um hohe Klickzahlen den Journalismus verändert

Wien - Jeder Facebooknutzer kennt das Erfolgsrezept von BuzzFeed, Heftig, LikeMag oder Upworthy: "Klicks fischen" mit reißerischen Titeln und wenig Inhalt. Über Clickbaiting und Teaser wie „Du wirst nicht glauben, was diese Katze alles tut, um den kleinen Welpen zu retten! 0:41 ist der HAMMER!“ lässt sich in der Nachrichtenredaktion leicht spotten.

Gleichzeitig werden Klickzahlen auch von seriösen Redaktionen gern als Erfolgsindikator, wenn nicht als Maßstab für journalistische Qualität herangezogen. Zählen ist so einfach. Wir erinnern uns: In Printhochzeiten wurde das unter „Qualität wird am Kiosk entschieden“ diskutiert.

Nutzungsdaten

Die Analyse von Nutzungsdaten ist für digitale Medien extrem wichtig. Für Vermarktung, für inhaltliche Entscheidungen und für die Optimierung von Darstellungs- und Vermittlungsformen. Andererseits wird die Gefahr der ausschließlichen Gewichtung von News nach Klickzahlen seit langem diskutiert. Empfehlenswert ist dazu die Serie zum Einfluss von Analytics auf Nachrichten in der American Journalism Review.

Einfluss von Klickzahlen

Jetzt zeigt eine neue Studie des Tow Center, dass sie auch enormen emotionalen und moralischen Einfluss auf Journalisten haben. Die Klickzahlen am zentral in der Redaktion angebrachten Monitor können schnell euphorisieren – und noch schneller völlig demoralisieren. Anhand von Fallstudien der New York Times, Chartbeat und Gawker gibt der Report einige Tipps zur Einbindung von Analytics in Newsroom-Strategien:

  • Nicht alles kann gezählt werden. Nicht alles muss gezählt werden.

  • Klickraten können schnell andere Bewertungskriterien verdrängen. Wenn Rankings von Artikeln zentral auf Monitoren im Newsroom oder auf der Seite angezeigt werden, kann es schwierig werden, ihren Einfluss zu begrenzen.

  • Kennzahlen lösen extrem starke Emotionen aus. Sie haben nicht nur Auswirkungen auf Inhaltsentscheidungen, sondern auch auf die Menschen in der Redaktion, auf ihre Moral und Motivation.

  • Klicks sind nicht alles. Kennzahlen wie Verweildauer oder Engagement sind oft wichtiger.

  • Vergiss den einzelnen Artikel! Daten sind dann hilfreich, wenn sie langfristig ausgewertet, aus der Vogelperspektive interpretiert und strategisch eingesetzt werden. (Daniela Kraus, 2.6.2015)

Daniela Kraus ist Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien. Auf derStandard.at/Etat schreibt sie im Journo-Blog über aktuelle Entwicklungen in der Medienbranche – und ihre Auswirkungen auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten.

Link
Die Studie: "Chartbeat and the making of web analytics"

Am12. Juni ist Chartbeat beim Media Innovation Day: www.mediainnovationday.com

  • Daniela Kraus, Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien.
    foto: fjum

    Daniela Kraus, Geschäftsführerin des fjum_forum journalismus und medien wien.

  • Das Rezept von heftig.co: "Klicks fischen".
    foto: screenshot/heftig.co

    Das Rezept von heftig.co: "Klicks fischen".

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