Dan Deacon: Aerobic für Hipster

2. Juni 2015, 09:15
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Zwischen Freakout-Kakofonien und Minimal Music: Der US-Amerikaner Dan Deacon gastiert zweimal in Österreich

Salzburg/Wien - Seit gut zwölf Jahren bastelt der gebürtige New Yorker Dan Deacon an seiner Version elektronischer Musik. Auf vier Soloalben hat er seinen Einfallsreichtum unter Beweis gestellt - und bei unzähligen Liveauftritten die Fähigkeit, mit dem Publikum zu interagieren. Demnächst konzertiert der Animal-Collective-Kumpel zweimal in Österreich.

Nach etlichen CD-R-Produktionen erschien 2007 Spiderman Of The Rings, Deacons "echtes" Plattendebüt: Aus winzigen Soundpartikeln lötet er einen manischen, dichten, sich aus unzähligen Quellen speisenden Sound zusammen, der den Tatbestand der Freakout-Kakofonie erfüllt. Mühelos changiert er zwischen abstrakter Collage und eingängigen Refrains.

Zu dieser Zeit waren Deacons Liveshows Animationsübungen, denn der Meister - zwischen Kabeln, Samplern, Oszillatoren und Effektgeräten thronend - brachte die Besucher zu choreografierten Massenauszuckern, ganz nach dem Motto: Wer Laptops manipulieren kann, schafft das auch mit den Tanzwütigen.

Erfindungsreichtum als Kennzeichen

Was Deacon auszeichnet, ist die Fähigkeit, sich neu zu erfinden, Sounds zu kreieren, die ihn schwer zuordenbar machen. Auf Bromst (2009) geschah das u. a. mittels Heliumgesangs sowie echten Instrumenten. Es lädt zu Klangtrips, bei denen der Reiseleiter zwischen den Stühlen Indiepop, Psychedelic und experimenteller Elektronik sitzt.

Danach erforschte Deacon immer mehr die moderne Klassik, konzertierte etwa zu Ehren von John Cage oder Steve Reich, zudem komponierte er den Soundtrack zu Francis Ford Coppolas Twixt. Auf America polierte Deacon dann die Klangkreationen auf Hochglanz und brachte sie in symphonisches Breitwandformat: Vocoderstimme, Minimal-Music-Referenzen, Streicher, Bläser, Xylofone, Marimba, Feedback.

Heuer erschien Glass Riffer. Es enthält noch mehr von erwähnter Grandezza, die sich für die Grenzen zum Bombast schon längst nicht mehr interessiert, aber immer auch für Drone-Überraschungen gut ist. (Gerhard Dorfi, 2.6.2015)

3. 6. Salzburg, Rockhouse, 19.00

9. 6. Wien, WUK, 20.00

  • Überrascht gerne: Elektronikmusiker Dan Deacon.
    foto: frank hamilton

    Überrascht gerne: Elektronikmusiker Dan Deacon.

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