Recruiting-Apps gegen das meisterzählte Märchen im Silicon Valley

2. Juni 2015, 09:41
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In der Tech-Industrie fehlt es an Diversität, in den letzten Jahren entstanden deswegen vermehrt Recruiting-Apps

Man kennt sie, die Silicon-Valley-Erzählung: Jeder kann es dort schaffen. Egal wo man herkommt und was man im bisherigen Leben getan hat, hier zählt nur die gute Idee, der Spirit, um "the next best thing" zu werden. Und die bereits etablierten Unternehmen und Start-ups stimmen in die Story ein: Einen Job bekomme die Person mit den besten Fähigkeiten – Geschlecht, Herkunft oder Ausbildung würden keine Rolle spielen.

Obwohl es die Geschichten vom American Dream im Silicon Valley gibt, bleibt die Erzählung in den meisten Momenten ein Märchen. Nicht nur Serien wie "Silicon Valley" thematisieren die schwierige Rolle von Außenseitern in der Tech-Szene, auch eine aktuelle Reuters-Studie kommt zum Schluss, dass die Lebensläufe erfolgreicher Personen sehr homogen aussehen. Reuters betitelte besagte Studie mit "Stammbaum zählt": Von 88 Silicon-Valley-Unternehmen, welche 2011, 2012 oder 2013 von einem der Top-5-Risikokapitalgeber (Accel Partners, Andreessen Horowitz, Benchmark Capital, Greylock Partners und Sequoia Capital) finanzielle Unterstützung erhielten, wurden 70 von Leuten mit traditionellem Background gegründet.

foto: ap / jamie trueblood
Tun sich mit dem Kapitalauftreiben auch nicht leicht: Dinesh Chugtai, Jared Dunn und Richard Hendriks in der Serie "Silicon Valley".

Nur wenige Underdogs

Reuters definiert diesen Hintergrund folgendermaßen: Alma Mater sind Harvard, Stanford oder das Massachusetts Institute of Technology, bereits ein Unternehmen ist gegründet und auch schon eine höhere Position in einem Tech-Unternehmen im CV. Underdogs? Fehlanzeige. Tech-Unternehmer seien wesentlich reicher und besser gebildet als durchschnittliche Bürger.

Iba Masood hat das Fehlen an Diversität als Anliegen genommen: Als Geschäftsführerin und Co-Gründerin von Gradberry will sie das Silicon Valley zu der Meritokratie machen, die man vorgibt bereits zu sein. Dafür hat sie ein Recruitingsystem entwickelt, das es Unternehmen ermöglichen soll, Leute mit den höchsten Skills einzustellen. Tara hat sie das intelligente Recruiting genannt. Die Buchstaben stehen für Talend Acquisition and Recruiting. Im Interview mit "Wired" ist Masood sich sicher, dass mit dieser Methode der persönliche Hintergrund keine Rolle mehr spielt.

Recruiting gone wrong

Gradberry ist dabei nur ein Unternehmen, das sich des Matchmaking-Problems im Silicon Valley annimmt. Hackerrank, Hired und Learnup sind einige weitere, die Technikerinnen und Techniker mit Unternehmen zusammenbringen wollen. Für Masood ist die App auch eine Reaktion darauf, wie sie sich in Nordkalifornien fühlte: nicht aus den USA, kein Ivy-League-Background. Mit dem Recruitingprozess sei etwas grundlegend nicht in Ordnung, sagt die 25-Jährige, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten studierte.

Wie wollen Masood und Co aber garantieren, dass bei ihrem Recruiting die Skills im Vordergrund stehen? Essenziell ist dabei das Einbinden von Online-Portfolios, meistens sei das Github, ein webbasierter Hosting-Dienst für Software-Entwicklungsprojekte. Gradberry analysiert dann, ob Person XY für den dort verfassten Code gut bewertet wurde. Die App analysiert die Syntax, checkt den Code auf Fehler und überprüft auch, ob plagiiert wurde. Ziel ist es zu erkennen, ob es sich um einen einflussreichen Code handelt – es wird also auch untersucht, wie viele Beiträge die Person lieferte.

Talente entdecken

Dieser Prozess ermögliche es, hochqualifizierte Kandidaten zu finden, die sonst unentdeckt bleiben würden. Masood nennt etwa das Beispiels eines 20-Jährigen, der ein beeindruckendes Github-Profil hatte – aber keine Arbeitserfahrung. Durch Tara und den Status als starker Kandidat wurde er sofort bei einer Spielefirma angestellt. Die Recrutingplattform ist zwar noch verhältnismäßig klein – 255 Unternehmen sind an Bord, 379 Positionen sind aktuell offen, die Investoren sind vom Recruitingangebot aber überzeugt. (Lara Hagen, 2.6.2015)

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