Einbahnstraße Hochschule

1. Juni 2015, 15:22
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Während die Unis überlaufen sind, streben wenige eine klassische Berufsausbildung an. Mehr Durchlässigkeit könnte Abhilfe schaffen, meinen Experten

In Teilen der Gesellschaft wird akademische Bildung als Vehikel für eine bessere Zukunft gesehen, der Wert einer Berufsausbildung dagegen oft unterschätzt. Mehr Durchlässigkeit zwischen den Bereichen wäre aber sinnvoll, sagten Bildungsforscher am Montag vor Journalisten im Rahmen eines Workshops der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) zum Thema "Bildungsgerechtigkeit".

Mehr drängen an die Uni

In den vergangenen Jahren sei im deutschsprachigen Raum ein großer Trend in Richtung Akademisierung zu beobachten gewesen. Im Zuge dessen drängen nun immer mehr potenzielle Studenten an die Universitäten. Das habe einerseits zur Folge, dass viele Studenten an die Hochschulen kommen, die eigentlich die Voraussetzungen gar nicht erfüllen, andererseits würden dadurch qualifizierte Interessenten für Berufsausbildungen verschiedenster Art fehlen, erklärte die Bildungspsychologin Christiane Spiel. Das sei "negativ für beide Bereiche."

Ausgleichend könnte wirken, wenn diese beiden Gebiete stärker miteinander verbunden werden, waren sich Psychologen und Erziehungswissenschafter anlässlich des noch bis morgen, Dienstag, laufenden Workshops in Wien einig. Bisher sei eher eine "Einbahnstraße" realisiert, auf der Menschen von einer beruflichen Qualifizierung in Richtung akademische Bildung gelangen können. Umgekehrte Wege seien im deutschsprachigen Raum noch wenig etabliert, so der Politikwissenschafter Markus Busemeyer von der Universität Konstanz.

Allgemeinbildung an Berufsschulen

Besonders wichtig für eine bessere Verschränkung wäre laut dem Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien (IHS), wenn mehr Allgemeinbildung in Berufsausbildungen verankert würde. Bisher sei man in Österreich der Meinung gewesen, dass das nicht notwendig sei. Dadurch werde es aber schwierig, später andere Bildungsangebote wahrzunehmen, für die man auch Wissen über das Fachspezifische hinaus braucht.

In der Schweiz habe Berufsausbildung und Handwerk in vielen Bevölkerungsschichten sehr hohes Ansehen, und auch die Verdienstmöglichkeiten seien dort teilweise höher als im akademischen Bereich, führte Johannes Giesinger von der Universität Zürich ins Treffen. Für die Schweiz gelte: Berufsausbildung bereitet gut auf den Arbeitsmarkt vor und auch die Durchlässigkeit in Richtung Hochschulbildung sei ganz gut gegeben. Trotzdem zeige sich, dass absolute Top-Jobs für Absolventen beruflicher Ausbildungen schwerer erreichbar sind, so Giesinger. (APA, 1.6.2015)

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