Britische Polizei will alle zwei Minuten auf Vorratsdaten zugreifen

1. Juni 2015, 14:15
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Über 733.000 Anfragen zwischen 2012 und 2015 – mehr Transparenz gefordert

In Großbritannien existiert bereits seit einigen Jahren eine Vorratsdatenspeicherung. Die Provider des Landes müssen die Kommunikationsdaten der Nutzer – also wer wann welche IP-Adresse aufruft oder wer mit wem per E-Mail oder Telefon kommuniziert - für zwölf Monate hinterlegen, um den Behörden nötigenfalls Zugriff darauf gewähren zu können.

Diese machen auch fleißig Gebrauch von dieser Möglichkeit. Das ergeben Daten, die die Plattform Big Brother Watch anhand von Anfragen erheben konnte, wie Wired berichtet.

733.000 Anfragen in drei Jahren

Zwischen dem ersten Januar 2012 und dem 31. Dezember 2014 wurden insgesamt 733.237 Ansuchen für den Zugriff auf die Metadaten verschiedener Nutzer gestellt. Das entspricht rund einer Anfrage pro zwei Minuten.

Alleine 2014 wurden knapp 250.000 Anforderungen gezählt. Lediglich etwas mehr als 54.000 aller Anträge wurden in diesen drei Jahren zurückgewiesen. 92,6 Prozent wurden positiv beantwortet.

Metropolitan Police Spitzenreiter

"Trotz Beteuerungen, dass sich die Zugriffe der Polizei vermindern würden, zeigt dieser Report, dass die Polizei weiterhin auf riesige Mengen an Daten der Bürger zugreift", heißt es bei Big Brother Watch. Dabei unterscheiden sich Häufigkeit der Auskunftsbegehren, Begründungen und die Quote der abgelehnten Anfragen zwischen den einzelnen Polizeistellen oft deutlich. Scheinbar, so mutmaßt die Organisation, gebe es von Abteilung zu Abteilung unterschiedliche Interpretationen hinsichtlich der Rechtfertigung für einen Datenzugriff oder einer Ablehnung desselben.

Von 37 polizeilichen Organisationen konnte bei 26 eine Zunahme an Anfragen gemessen werden, während die Zahlen nur bei elf rückläufig sind. Spitzenreiter sind die London Metropolitan Police mit über 177.00 Anfragen, gefolgt von der West Midlands Police (über 99.000) und der schottischen Polizei (62.000).

Mehr Transparenz und Kontrolle verlangt

Sollte die Situation sich nicht ändern und die Polizei weiter nach zusätzlichen Auskunftsrtechten verlangen, werde es notwendig, mehr Transparenz zu schaffen, meinen die Datenschützer. Sie fordern eine Offenlegung der internen Prozesse und die Einrichtung einer unabhängigen, richterlichen Stelle, die über die Freigabe mit entscheiden solle. (gpi, 01.06.2015)

  • In den vergangenen drei Jahren wollte die britische Polizei etwa alle zwei Minuten Zugriff auf Kommunikationsdaten.

    In den vergangenen drei Jahren wollte die britische Polizei etwa alle zwei Minuten Zugriff auf Kommunikationsdaten.

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